UNO befürchtet schweren Rückschlag bei Cholera-Bekämpfung im Jemen

Vater und Kind mit Verdacht auf Cholera im Krankenhaus

Dem Kampf gegen die Cholera im Jemen droht nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein schwerer Rückschlag - sollte die Blockade des Landes durch Saudi-Arabien andauern. Eine WHO-Sprecherin sagte am Freitag in Genf, die Organisation benötige den "vollständigen Zugang" zu allen von der Epidemie betroffenen Gebieten. Es sei nicht hilfreich, die Grenzen und sämtliche Zugänge zum Jemen zu schließen.

Die landesweite Epidemie in den Griff zu bekommen sei eine "sehr schwierige Herausforderung", sagte Sprecherin Fadela Chaib. In jüngster Zeit seien Fortschritte erzielt worden, doch diese drohten jetzt zunichte gemacht zu werden. Wegen der Blockade werde es für die WHO zunehmend schwierig, Gesundheitszentren und Krankenhäusern mit medizinischen Gütern zu beliefern.

Chaib zufolge musste die Organisation am Mittwoch auf eine Schiffsladung mit 250 Tonnen medizinischem Hilfsmaterial verzichten, weil der jemenitische Hafen Al-Hudajah geschlossen worden war.

Die aus dem Jemen zugeschaltete Leiterin des UN-Kinderhilfswerks Unicef in dem Land, Meritxell Relano, wies darauf hin, dass die Benzinvorräte bei anhaltender Blockade nur noch bis Ende November reichten. Der Treibstoff werde aber benötigt, um die Gesundheitszentren und die Wasserversorgung am Laufen zu halten.

Sollten die von Unicef eingerichteten Anlagen zur Wasseraufbereitung nicht mehr funktionieren, wären davon allein in den Gebieten mit hohem Cholera-Risiko sechs Millionen Menschen betroffen.

Die WHO registrierte zwischen dem 27. April und dem 8. November 2017 fast 914.000 Cholera-Verdachtsfälle im Jemen. Nahezu 2200 Menschen sind bislang an der durch verseuchtes Wasser übertragenen Epidemie gestorben, die sich infolge schlechter hygienischer und sanitärer Zustände rasch ausbreitet.

Der UN-Sicherheitsrat hatte das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis am Mittwoch aufgefordert, seine Blockade zu beenden. Der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock warnte vor der weltweit schwersten Hungersnot seit Jahrzehnten "mit Millionen Opfern".

Die Militärkoalition hatte die Blockade am Montag verschärft, indem sie die jemenitischen Häfen und Flughäfen sowie die Zufahrtsstraßen in das Land für Hilfsorganisationen dicht machte. Zuvor hatte Saudi-Arabien Teheran beschuldigt, hinter einem Angriff jemenitischer Huthi-Rebellen zu stehen, bei dem in der Nähe der saudiarabischen Hauptstadt Riad eine Rakete abgefangen worden war.

Im Jemen kämpfen seit 2014 schiitische Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Militäreinheiten des gestürzten Staatschefs Ali Abdallah Saleh gegen Truppen des international anerkannten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi. 2015 griff ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis zugunsten von Hadi in den Konflikt ein. Seitdem wurden mehr als 8600 Menschen getötet.