UNO: Fast 90.000 Menschen in wenigen Tagen von Myanmar nach Bangladesch geflohen

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Rohingya-Flüchtlinge nahe Cox's Bazar in Bangladesch

Seit der Eskalation der Gewalt in Myanmar vor rund zehn Tagen sind im Nachbarland Bangladesch nach Angaben der UNO 87.000 Flüchtlinge angekommen, die meisten von ihnen Mitglieder der muslimischen Rohingya-Minderheit

Die jüngste Eskalation der Gewalt in Myanmar hat binnen zehn Tagen rund 87.000 Menschen zur Flucht ins Nachbarland Bangladesch getrieben. Die meisten von ihnen gehörten zur muslimischen Rohingya-Minderheit, hieß es in einem am Montag veröffentlichten UN-Bericht. Weitere 20.000 warteten an der Grenze auf Einlass nach Bangladesch. Myanmars De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi geriet für ihr anhaltendes Schweigen zunehmend in die Kritik.

Bangladesch hatte in den vergangenen Tagen die Grenzkontrollen verstärkt, doch der UN-Bericht zitierte Flüchtlinge, die nach eigenen Angaben beim Grenzübertritt nicht aufgehalten wurden. Ein Grenzsoldat sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Flüchtlinge seien dermaßen zahlreich, dass es unmöglich sei, sie zu stoppen. Zuvor hatte Bangladesch viele der neu eintreffenden Flüchtlinge zurück nach Myanmar abgeschoben.

In Bangladesch lebten vor der jüngsten Krise bereits etwa 400.000 Rohingya-Flüchtlinge unter elenden Bedingungen in Lagern an der Grenze zu Myanmar. Dort wurden der UNO zufolge auch die Neuankömmlinge untergebracht. Viele fanden jedoch keinen Schutz vor den heftigen Monsunregen. Ein AFP-Reporter sah in der Nähe der Küstenstadt Cox's Bazar hunderte behelfsmäßige Unterstände am Rande der weitläufigen Flüchtlingslager.

Bei Kämpfen zwischen der Armee und Rohingya-Rebellen in Myanmars westlichem Bundesstaat Rakhine gab es seit Ende August hunderte Tote. Die Gewalt trieb zahlreiche Menschen in die Flucht. Dutzende ertranken beim Versuch, den Grenzfluss Naf nach Bangladesch mit behelfsmäßigen Booten zu überqueren.

Aung San Suu Kyi, ehemalige Gefangene der Militärjunta in Myanmar und wegen ihres jahrelangen gewaltlosen Kampfs für Demokratie 1991 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, äußerte sich weiter nicht persönlich zur Gewalt und zu den Flüchtlingen.

Ihr Büro veröffentlichte am Montag lediglich eine Bilanz der jüngsten Zusammenstöße. Demnach wurden 2600 Häuser in Rohingya-Dörfern und 136 Häuser in nicht-muslimischen Ortschaften zerstört; Suu Kyis Büro wies die Schuld daran ausschließlich den Rohingya-Kämpfern zu.

Die Flüchtlinge in Cox's Bazar gaben an, Sicherheitskräfte und aufgehetzte Buddhisten hätten ihre Familien massakriert und ihre Dörfer niedergebrannt.

Die UN-Friedensbotschafterin und Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2014, Malala Yousafzai, erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter, sie habe in den vergangenen Jahren wiederholt die "tragische und beschämende Behandlung der Rohingya" verurteilt. Sie warte immer noch darauf, dass Aung San Suu Kyi dasselbe tue, fügte die 20-jährige pakistanische Kinderrechtsaktivistin hinzu.

In Rakhine leben etwa eine Million Rohingya in bitterer Armut. Die Muslime gelten als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in Myanmar betrachten sie als illegale, staatenlose Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele der Rohingya schon seit Generationen in Myanmar leben.

In muslimischen Staaten wächst die öffentliche Besorgnis über das Schicksal der Rohingya. Der pakistanische Oppositionspolitiker und ehemalige Cricketstar Imran Khan twitterte: "Schändliche Zustimmung zum Rohingya-Genozid durch Aung San Suu Kyi."

Das pakistanische Außenministerium forderte Myanmar auf, Berichte über Gräueltaten gegen Rohingya zu überprüfen. Irans Außenminister Dschawad Sarif forderte internationales Einschreiten gegen die "ethnischen Säuberungen" in Myanmar.

Die indonesische Außenministerin Retno Marsudi traf am Montag in Naypyidaw den myanmarischen Armeechef, General Min Aung Hlaing, und Aung San Suu Kyi. Sie drängte die Regierung, mehr zur Entschärfung der Krise zu unternehmen.

Zuvor hatte Indonesiens Staatschef Joko Widodo das "sofortige Ende der humanitären Krise" gefordert. Am Montag zogen dutzende Demonstranten vor Myanmars Botschaft in Jakarta. Auch in Malaysia fanden Kundgebungen für die Rohingya statt. In Tschetschenien demonstrierten tausende Menschen gegen die Verfolgung der Rohingya.