Universitäten werden nur noch zur Hälfte aus Länderhaushalten finanziert

Studenten in einem Hörsaal

Der Forschungs- und Lehrbetrieb an den deutschen Universitäten wird nur noch etwa zur Hälfte durch die Bundesländer finanziert. Das geht aus einer am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Untersuchung im Auftrag des Deutschen Hochschulverbands (DHV) hervor. 2015 deckten demnach Zahlungen aus dem Bundeshaushalt sowie Drittmittel bereits die andere Hälfte. Zehn Jahre zuvor hatten die Länder noch 73 Prozent bezahlt. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) mahnte eine angemessene Finanzierung durch die Länder an.

Die leistungsunabhängige Basisfinanzierung des Hochschulbetriebs durch die Länder stieg der Studie zufolge zwischen 1995 und 2015 weniger stark, als die Zahl der Studenten zunahm. Zugleich wurde ein größerer Teil der Landeszahlungen durch Bundesmittel kofinanziert, etwa im Rahmen des Hochschulpakts. Außerdem sei die "Abhängigkeit der Universitäten von Drittmitteln deutlich gestiegen", hieß es in der Untersuchung. Das erkläre den Trend.

70 Prozent des Zuwachses der Hochschulbudgets stammten inzwischen aus Drittmitteleinnahmen. Die Verschiebungen in den prozentualen Anteilen ergaben sich dabei parallel zu einem insgesamt starken Anstieg der Ausgaben für die Universitäten. Deren Budgets verdoppelten sich laut der Studie des Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie in Berlin zwischen 1995 und 2015 beinahe von 22,6 Milliarden Euro auf 43,7 Milliarden Euro.

Drittmittel stammen etwa von Stiftungen oder Unternehmen und werden in der Regel für konkret definierte Forschungsvorhaben oder Lehrstühle gezahlt. In den vergangenen zehn Jahren habe sich der Drittmittelanteil an den Budgets der Universitäten annähernd verdoppelt, berichteten die Experten des Instituts.

Bei einer Gesamtbetrachtung aller Kosten für die Universitäten unter Einschluss der Ausgaben für die Krankenversorgung an den Universitätskliniken verzeichneten sie eine Umkehrung der Anteile zwischen Landesmitteln und zeit- oder zweckgebundenen Bundes- und Drittmitteln. Trugen die Länder bis zur Mitte des vorigen Jahrzehnts 56 Prozent und die anderen Geber 44 Prozent, bezahlten die Länder 2015 nur noch 44 Prozent, die anderen 56 Prozent.

Der DHV ist die Berufsvertretung der Wissenschaftler in Deutschland. Bei seiner jährlichen Delegiertenversammlung wählte der Verband am Mittwoch in Berlin Bernhard Kempen für weitere zehn Jahre zu seinem Vorsitzenden. Der 58-Jährige lehrt Recht an der Universität Köln. Er sitzt dem DHV bereits seit 2004 vor.

Karliczek ermahnte die Länder, "dass sie bei der Grundfinanzierung der Hochschulen nicht nachlassen, sondern sie angemessen weiter steigern, um auch langfristig gute Studienbedingungen bieten zu können". "Hier wird Bundesgeld nur fließen, wenn dies mit zusätzlichen Mitteln der Länder gegenfinanziert wird, die dauerhaft die Grundfinanzierung der Hochschulen ergänzen und diese nachhaltig stärken", erklärte sie in Berlin.

Der Bund werde auch in dieser Legislaturperiode die Hochschulen und die außeruniversitäre Forschung stärken. "Deswegen haben wir im Koalitionsvertrag unter anderem die dauerhafte Verstetigung der Mittel für den Hochschulpakt und den Qualitätspakt Lehre verankert", erklärte Karliczek. "Das große Engagement des Bundes für die Hochschulen kann eine stabile und ausreichende Grundfinanzierung der Hochschulen aber nur ergänzen, nicht ersetzen."