Warum ist Uniper so wichtig, dass die Bundesregierung das Unternehmen mit Milliarden rettet?

Zu wichtig, um Pleite zu gehen: Uniper wird massiv von der Bundesregierung unterstützt. - Copyright: picture alliance / Flashpic | Jens Krick
Zu wichtig, um Pleite zu gehen: Uniper wird massiv von der Bundesregierung unterstützt. - Copyright: picture alliance / Flashpic | Jens Krick

Selten stand ein Unternehmen so im Rampenlicht wie Uniper derzeit. Und selten war es in einer so brenzligen Lage. Allein im ersten Halbjahr 2022 machte Uniper 12,4 Milliarden Euro Verlust. Doch pleitegehen wird das Unternehmen nicht. Denn die Bundesregierung nimmt viel Steuergeld in die Hand, um Uniper zu retten. Bislang hatte die staatliche Förderbank KfW einen Kredit über neun Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Am Montag meldete Uniper, dass man weitere vier Milliarden benötige. Womöglich bekommt das Unternehmen auch diese Summe. Aber warum? Was macht das Unternehmen so wichtig?

Uniper entstand aus einer Abspaltung des Energieunternehmens Eon und gehört seit März 2020 mehrheitlich dem finnischen Konzern Fortum. Laut Geschäftsbericht von Ende Juni arbeiten mehr als 11.000 Menschen für Uniper, die Umsatzerlöse betrugen 119 Milliarden Euro. Der Aktienkurs fiel in den letzten Monaten von mehr als 42 Euro auf nunmehr rund 5,50 Euro. Diese Lage bringt auch den Mutterkonzern in Schwierigkeiten. Fortum verzeichnete im zweiten Quartal einen Nettoverlust von knapp 7,4 Milliarden Euro.

In die Krise ist Uniper vor allem deshalb gekommen, weil das Unternehmen der wichtigste Gas-Importeur hierzulande ist. Industrieunternehmen oder Stadtwerke schlossen mit Uniper Verträge über Gaslieferungen. Uniper besorgte das Gas – vor allem aus Russland. Doch seit dem Einfall Russlands in die Ukraine – und seit Russland die Gas-Exporte drosselt, muss Uniper Gas anderswo besorgen. Auf dem Weltmarkt, meist zu deutlich höheren Preisen, als seine Kunden dem Unternehmen laut Verträgen dafür zahlt. So kommen die massiven Verluste zustande.

Wie andere Unternehmen und die Politik hat sich auch Uniper lange auf günstiges Gas aus Russland verlassen. Eine Fehlkalkulation. Warum springt also der Staat ein, um Uniper zu retten?

Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist eine der führenden Energieexpertinnen und Experten des Landes. Sie sagt im Gespräch mit Business Insider: "Wie man Uniper und andere Energieunternehmen unterstützt, muss man genau prüfen. Aber dass die Bundesregierung dem Unternehmen hilft, daran führt aus meiner Sicht kein Weg vorbei." Die Ampel-Koalition plant eine Gas-Umlage, die Verbraucher auf jede verbrauchte Kilowattstunde zahlt. Mit den zusätzlichen Einnahmen sollen Uniper und andere Energieunternehmen gestützt werden.

Bundesregierung hat keine andere Wahl, als Uniper weiter zu unterstützen

Kemfert warnt vor den möglichen Auswirkungen, wenn man Uniper nicht finaziell unter die Arme greift. "Die Verwerfungen, die ein Konkurs Unipers im Markt auslösen würde, kann man nicht einmal vollständig überblicken", sagt sie, "Das Risiko ist schlicht zu groß". Ihre Befürchtung ist, dass eine Pleite von Uniper eine Kettenreaktion auslöst. Denn Uniper beliefert Unternehmen und Stadtwerke, die wiederum Millionen Haushalte versorgen.

Aktuell macht Uniper pro Tag rund 100 Millionen Euro Verlust. Kosten, an denen sich die Bundesregierung wohl weiter beteiligen wird.