Uniper sieht Fortum-Pläne weiter als «feindliche Übernahme»

Das Uniper-Management traut den Zusicherungen von Fortum nicht. Foto: Rolf Vennenbernd

Der Übernahmekampf um die Eon-Abspaltung Uniper mit 13 000 Jobs ist in vollem Gang. Der finnische Kauf-Interessent wirbt in Interviews um Vertrauen, Uniper kämpft um seine Unabhängigkeit. Sind am Ende Tausende Jobs in Gefahr?

Düsseldorf (dpa) - Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper sieht die Kaufofferte des finnischen Konkurrenten Fortum für knapp 47 Prozent des Unternehmens weiter als feindliche Übernahme.

«Dies ist ein feindlicher Vorstoß von Fortum», hatte Uniper-Chef Klaus Schäfer vor wenigen Tagen gesagt. Daran habe sich nichts geändert, sagte ein Sprecher.

Es gebe weiter keine festen Zusagen zur Zukunft des Unternehmens, nur allgemeine Absichtserklärungen über die Medien. «Ich erwarte jetzt, dass Pekka Lundmark seinen Ankündigungen Taten folgen lässt und schwarz auf weiß verbindliche Aussagen macht», sagte Schäfer erneut.

Der Uniper-Betriebsrat fürchtet im Fall einer Übernahme um mehr als 1000 der 13 000 Uniper-Jobs und hat bereits angedroht, beim laufenden 50-Millionen-Euro-Sparprogramm bei Uniper im Falle eines Verkaufs an Fortum die Mitwirkung aufzukündigen.

Fortum-Chef Pekka Lundmark hatte dagegen mehrfach und zuletzt in einem Interview der «Rheinischen Post» (Montag) versichert, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, keine Mehrheit anzustreben und auch den Standort des Unternehmens in Düsseldorf zu belassen. Sein Kaufangebot an die Uniper-Aktionäre zum Preis von 22 Euro pro Aktie werde demnächst bei der Finanzaufsicht Bafin eingereicht, sagte er in dem Interview. Dann startet eine zehnwöchige Entscheidungsfrist für die Aktionäre.

Das Uniper-Management traut den Zusicherungen von Fortum nicht - unter anderem deshalb, weil die Finnen bereits im Juli ein Übernahmeangebot für mindestens 75 Prozent und damit die Mehrheit vorgelegt hatten, das abgelehnt wurde. «Es ist schwer vorstellbar, dass Fortum seine seit Monaten geplante Strategie einfach über Bord wirft und jetzt eine komplett andere Zielrichtung verfolgt», sagte Schäfer.

Bei Uniper wird befürchtet, dass Fortum die zu seinem Portfolio passenden Teile aus Uniper herauslöst - vor allem die Wasserkraftwerke in Schweden und Deutschland - und den Rest verkauft, um die Übernahme nachträglich zu finanzieren. Denn Uniper mit seinen zahlreichen Kohle- und Gaskraftwerken passe eigentlich gar nicht zum Fortum-Portfolio, das sehr stark auf CO2-freie Erzeugung ausgerichtet ist, argumentieren die Übernahmegegner. Dem hatte Lundmark allerdings mehrfach widersprochen. Uniper sei mit einem Anteil von immerhin 20 Prozent CO2-freier Erzeugung eine «gute grüne Ergänzung», sagte Lundmark etwa der «Rheinischen Post».

Kritik gibt es auch am Eigentümer des 47-Prozent-Anteils, der ehemaligen Konzernmutter Eon, weil diese mit Fortum bereits eine Vorab-Vereinbarung über den Verkauf geschlossen hat. Die Uniper-Belegschaft fühle sich von ihrem ehemaligen Arbeitgeber im wahrsten Sinne des Wortes «verraten und verkauft», sagte der Uniper-Betriebsratsvorsitzende Harald Seegatz. Denn Eon habe in dem Abspaltungsprozess von Uniper zugesichert, sein Paket Stück für Stück zu verkaufen.

Mitarbeiter und Kunden würden bei Uniper durch die vielen offenen Fragen zur Zukunft verunsichert, kritisierte Schäfer. Es gebe derzeit viele interne Diskussionen auf den Fluren und Informationsangebote etwa per Chat mit Vorstandsmitgliedern, hieß es aus dem Unternehmen. Eon verweist dagegen auf die Staatsmehrheit bei Fortum. Das sei ein «zutiefst seriöses und plausibles Unternehmen», hieß es. Heuschrecken-Verhalten müsse bei den Finnen niemand befürchten.