Uniper baut Schulden ab – Kraftwerk Datteln bleibt Problemfall

Dem Streit um den Einstieg von Fortum zum Trotz legt Uniper eine solide Bilanz vor – die Blitzanalyse.

Der Stromproduzent Uniper hat am Donnerstagmorgen die Bilanz für das Geschäftsjahr 2017 vorgelegt. Die wichtigsten Fakten:

  • Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ist um 18 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro gesunken.
  • Das liegt aber vor allem an Einmaleffekten – und die eigenen Ziele hat Uniper erreicht.
  • Unter dem Strich steht ein Fehlbetrag von 538 Millionen Euro – im Jahr zuvor waren es noch 3,2 Milliarden Euro gewesen.
  • Die Nettoverschuldung ist von 4,2 Milliarden auf 2,4 Milliarden Euro gesunken – dank des Verkaufs einer Gasfeld-Beteiligung.
  • Die Einigung mit Fortum über künftige Zusammenarbeit steht noch aus.

Das fällt positiv auf

Solide Bilanz: Uniper hat auch in der zweiten Jahresbilanz seit der Abspaltung von Eon bewiesen, dass der Stromproduzent keine „Resterampe“ ist, sondern am Markt bestehen kann – auch wenn die Bedingungen weiter schwierig sind. Konzernchef Klaus Schäfer sendet damit auch ein starkes Signal an den neuen Großaktionär Fortum, der sich – gegen den Widerstand Schäfers - 47 Prozent der Anteile gesichert hat.

Ergebnis: Die Ergebnisse sind zwar gesunken. Das Ebit ging um 18 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zurück und das Ebitda ebenfalls um 18 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Das lag aber vor allem an einem Einmaleffekt. Im Jahr zuvor hatte Uniper von einer hohen Rückerstattung durch Gaslieferant Gazprom profitiert. Überraschend stark präsentierte sich die russische Tochter. Aber selbst in der schwierigen europäischen Stromerzeugung haben sich die Ergebnisse verbessert. Sie verbesserte das Ebit um 211 Millionen Euro auf 337 Millionen Euro zu. Die selbst gesteckten Ziele erreichte Uniper. Uniper hatte eine Bandbreite beim Ebit von 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Schulden: Entscheidend voran kam Uniper beim Abbau der Verschuldung. Die Nettoschulden verringerten sich um 40 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Uniper hatte im vergangenen Jahr seinen Anteil am russischen Gasfeld Yuschno Russkoje an den österreichischen Öl- und Gaskonzern OMV verkauft.

Das fällt negativ auf

Datteln 4: Die Inbetriebnahme des neuen Steinkohlekraftwerkes verzögert sich weiter. Der Start des Kraftwerkes hatte sich ohnehin um Jahre verzögert, weil Umweltschützer mit Klagen den Bau blockiert hatten. Im Dezember hatte Uniper die Inbetriebnahme wegen Baumängel bis zum vierten Quartal verschoben, eigentlich sollte es im Frühjahr endlich ans Netz gehen. Jetzt hieß es, weitere Verzögerungen seien nicht auszuschließen.

Was jetzt passiert

Für das laufende Jahr äußert sich Uniper zurückhaltend. Das Ebit wird in einer Bandbreite von 0,8 bis 1,1 Milliarden Euro erwartet. Das hatte das Unternehmen bereits Anfang Dezember angekündigt. Damals stellte es auch eine üppige Dividendenausschüttung in Aussicht. Bis 2020 sollen die Dividenden um durchschnittlich 25 Prozent jährlich wachsen. Für das vergangene Jahr will Uniper 74 Cent je Aktie ausschütten – nach 55 Cent im Jahr zuvor.

Mitarbeiter und Anleger warten jetzt vor allem noch, wie sich das Management mit dem neuen Großaktionär Fortum arrangiert. Die beiden Konzerne verhandeln seit Wochen über eine Vereinbarung, die die künftige Zusammenarbeit regeln soll. Eine Einigung steht noch aus.