Warum Unilever seine Aufstrich-Sparte verkauft

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Am Freitag gab Unilever (WKN:A0JMZB) bekannt, dass es von der Investmentgesellschaft KKR & Co (WKN:A1C10P) ein verbindliches Angebot in Höhe von 6,8 Milliarden Euro für sein weltweites Geschäft mit Margarinen und Aufstrichen erhalten hat. Unilever hat dieses Geschäft schon seit einiger Zeit für Interessenten schick gemacht: In den letzten Jahren ist das Aufstrich-Geschäft ins Stocken geraten und hat die Bilanzen des Unternehmens runtergezogen. Marken wie Country Crock, I Can’t Believe It’s Not Butter und Becel erfordern heute ein aufwendiges Marketing, um neues Interesse an unverfälschter Butter zu entfachen.

Vom Profit mal abgesehen, passt das Margarinegeschäft auch nicht so gut zu Unilevers aktuellen Bemühungen, als Anbieter gesunder Lebensmittel wahrgenommen zu werden. Betrachten wir doch einmal, warum Unilever ein Investment loswerden wollte, das über viele Jahre sehr solide war.

Anleger werden vom Verkauf profitieren

Als Kerngeschäft bildeten die Aufstriche einen bedeutenden der Umsätze von Unilever: der Jahresumsatz lag bei 3 Milliarden Euro – fast 6% des Unilever-Umsatzes 2016, der bei über 52 Milliarden Euro lag. Und sie hat auch einen ziemlich anständigen Profit generiert. In Anbetracht der Tatsache, dass die EBITDA-Marge der Sparte von 22 % im Jahr 2016 die EBITDA-Marge von Unilever insgesamt von 18 % übertraf, könnte KKR in der Lage sein, eine schöne Rendite aus dem Leveraged Buyout zu erzielen.

Aber Unilever wird nach dem Deal ein höheres organisches Umsatzwachstum zeigen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2017 erzielte Unilever ein organisches Umsatzplus von 2,8 %. Rechnet man die Aufstriche raus, die einen Umsatzrückgang erlitten haben, dann steigt das organische Wachstum im gleichen Zeitraum auf 3,2 %. In der heute nur langsam wachsenden Konsumgüterindustrie gilt die magische Zahl von 3 % als großartiges Ergebnis.

Der Zeitpunkt des Verkaufs gibt dem Unternehmen Auftrieb. Während Unilever seit mehreren Jahren schon über den Verkauf der Aufstrich-Sparte nachdachte, wurde der Verkauf noch einmal dringlicher, nachdem im Februar ein Übernahmeangebon von Kraft Heinz (WKN:A14TU4) in Höhe von 143 Milliarden Dollar nicht zustande kam und das Unternehmen gezwungen war, den Aktionärswert in einem schnelleren Tempo als zuvor zu steigern.

Investoren können die Vorteile des Deals auf unterschiedlichen Wegen für sich nutzen. Erstens wird Unilever durch den Wegfall im nächsten Jahr eine leicht höhere Bewertung erhalten, sofern keine unangenehmen Überraschungen aus anderen Bereichen des Unternehmens auftreten. Und natürlich erlaubt der Verzicht auf eine leistungsschwache Sparte dem Management, sich verstärkt auf Chancen mit hohen Renditen zu stürzen, während gleichzeitig Marketing-Geld für schneller wachsende Marken frei werden.

Darüber hinaus hat Unilever in seiner Pressemitteilung zum Deal bekräftigt, dass man beabsichtigt, den Verkaufserlös an die Aktionäre zurückzuzahlen, „es sei denn, es entstehen Akquisitionsalternativen, die größere Wertschöpfung versprechen“. So werden die Aktionäre folgende Möglichkeiten sehen: Stärkung des Aktienkurses durch Aktienrückkäufe, die Ausgabe einer Sonderdividende für Stammaktien oder weitere kleine, renditestarke Übernahmen, die Unilever in letzter Zeit getätigt hat.

Wer dem Unternehmen folgt, hat sich wahrscheinlich daran gewöhnt, dass Unilever immer wieder neue, ergänzende Übernahmen durchführt. Nur einen Tag vor der Bekanntgabe des Angebots von KKR gab Unilever bekannt, dass das Unternehmen den in Oregon ansässigen Naturkosmetik-Spezialisten Schmidt’s Naturals für einen nicht genannten Betrag übernommen hat.

Das Management von Unilever hat bei seinen diversen Unternehmenszukäufen immer wieder einen guten Riecher bewiesen. In der letzten Telefonkonferenz des Unternehmens, die am 19. Oktober stattfand, stellte Finanzvorstand Graeme Pitkethly fest, dass Unilever seit 2015 18 Übernahmen mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 8,2 Milliarden Euro getätigt hat, was zu einem Anstieg des Jahresumsatzes um 2,1 Milliarden Euro geführt hat. Pitkethly erklärte, dass die akquirierten Unternehmen in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 insgesamt mit einer jährlichen Rate von 16 % gewachsen seien.

Seitdem hat Unilever vier weitere Akquisitionen angekündigt, darunter den Kauf von Schmidt’s Naturals und den ungewöhnlichen Kauf des Handels mit Tazo Tee von Starbucks.

Relevanz für Verbraucher sowie die Mission des Unternehmens sind der Schlüssel zu den jüngsten Transaktionen von Unilever. Das Unternehmen beschreibt die Geschäfte in diesem aufstrebenden Portfolio als „schnell wachsende, zweckgerichtete Unternehmen“. Wie Schmidt’s Naturals und Sundial Brands, ein aufstrebendes Unternehmen für Körperpflegeprodukte mit Sitz in New York, das vor drei Wochen gekauft wurde, passen die meisten der übernommenen Unternehmen zu Unilevers Vorhaben, weltweit führend im Bereich der Nachhaltigkeit von Konsumgütern zu sein. Bei den Markenkäufen werden die Unternehmen zielgerichtet ausgesucht, mit dem Ziel, die Verbrauchernachfrage zu bedienen.

Es ist ein bisschen ironisch, dass Unilever sein Aufstrich-Geschäft verkaufen musste. Immerhin ging es 1930 als Zusammenschluss von Margarine Unie mit dem Seifenhersteller Lever Brothers los. Als vor einigen Jahrzehnten Aufstriche richtig beliebt waren, glaubten die Verbraucher fest daran, dass Margarine die viel gesündere Alternative zu Butter sei.

Aber die Zeiten ändern sich, und Unilever begreift, dass man lieber einen motivierten Käufer ranlässt, der wirtschaftlichen Profit aus einer festgefahrenen Division herausholen will. Besser als mit einer Sparte zu ringen, die nicht wirklich mit der Unternehmensvision übereinstimmt. Das Management kann gezielter und effektiver anderswo investieren und gleichzeitig einen Teil der Gewinne aus der Aufstrich-Sparte seinen Aktionären auf die Brote schmieren.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Starbucks und empfiehlt KKR. Dieser Artikel von Asit Sharma erschien am 18.12.17 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Kollegen an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2017