Wie UniCredit zur großen Rolle am Schuldschein-Markt kam: Q&A

(Bloomberg) -- Die UniCredit SpA ist auf dem besten Wege, unter den Schuldscheinarrangeuren in diesem Jahr erneut unter die ersten zwei zu kommen. Inmitten der Volatilität am globalen Credit-Markt hat sich das Segment als robust erwiesen.

Drei Viertel der Schuldschein-Emittenten stammen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Traditionell haben die einheimischen Geschäftsbanken und Sparkassen starken Einfluss im Sektor. Wie schon im Vorjahr dürfte die HVB-Mutter im Bloomberg-Ranking der wichtigsten Akteure die Nummer zwei werden.

Mit einem jährlichen Gesamt-Emissionsvolumen von etwa 25 Milliarden Euro sind Schuldscheine - privat platzierte hybride Schuldtitel, die nach deutschem Recht begeben werden - eine relativ kleine Nische des Schuldverschreibungsmarktes. Zu den häufigen Emittenten gehören ArcelorMittal SA, Holcim AG und Faurecia SE.

Bloomberg News sprach mit dem Schuldschein-Team der UniCredit in München, darunter Associate Director Christian Kallis, Director Patrick Mannl, Jörg Tennemann, Leiter des Unternehmensbondsyndikats, sowie der Global Head of Syndicate der Bank, Carlo Fontana.

Wenn man die Geschehnisse an den globalen Märkten betrachtet, ist UniCredit der Meinung, dass diese Art von Nischen- oder kleineren Schuldverschreibungsmärkten in schwierigen Zeiten einen Vorteil hat?

Auf jeden Fall, und das Gleiche gilt für Privatplatzierungen - deshalb bemühen wir uns um die Entwicklung von Best-in-Class-Fähigkeiten in der gesamten Produktpalette. Darüber hinaus hat diese Expertise dazu beigetragen, den Rückgang bei herkömmlichen Unternehmensanleihe-Deals in diesem Jahr auszugleichen. Das Schuldscheingeschäft läuft deutlich besser als in den Vorjahren.

Wie ist UniCredit in das Schuldscheingeschäft eingestiegen?

Wir begannen vor etwa fünfzehn Jahren, uns mit Schuldscheinen zu befassen, als unsere Kunden nach Alternativen zur Diversifizierung ihrer Investorenbasis suchten, aber keinen ausreichenden Bedarf hatten, um große Anleihen oder Kredite zu verkaufen. Man kann sagen, dass der Markt, wie wir ihn heute kennen, während der Finanzkrise 2008 entstanden ist, als Unternehmen angesichts der Volatilität an anderen Anleihemärkten begannen, Schuldscheine zu erwerben - mit einem sprunghaften Anstieg des Emissionsvolumens von damals etwa 5 Milliarden Euro auf über 15 Milliarden Euro. Im Jahr 2011, inmitten der Krise in der Eurozone, traten dann erstmals internationale Investoren in den Markt ein - auf der Suche nach anderen, stabileren Anlagen.

Was hat UniCredit dazu veranlasst, die Schuldschein-Abdeckung zu erweitern?

Der Schuldschein-Bereich wächst, weil er Liquidität aus einem Teil des Marktes bietet, der von anderen Produkten nicht bedient werden kann - und das zu attraktiven Kosten und mit schnellem Zugang, das heißt ohne die Notwendigkeit eines anleiheähnlichen Prospekts. In Bezug auf unsere eigene Abdeckung hat sich das Produkt als erfolgreich erwiesen, und wir haben seither eine wichtige Rolle bei seiner Ausweitung über die Grenzen des deutschen Marktes hinaus gespielt. Angesichts der unterschiedlichen Entwicklung der europäischen Kapitalmärkte hat es sich als ein sehr vielseitiges Instrument erwiesen.

Was tun Sie, um das Schuldscheingeschäft zu fördern?

In der gesamten Bank stellen wir den Kunden in den Mittelpunkt unseres Handelns. Deshalb haben wir unsere Struktur vereinfacht, indem wir ein auf Schuldscheine fokussiertes Team geschaffen haben, das für die gesamte Wertschöpfungskette des Produkts verantwortlich ist. Natürlich trägt unser starkes Schuldscheinkapitalmarktgeschäft dazu bei, dass wir nebenbei auch noch Geld verdienen. Wir sind jederzeit in der Lage, unseren Kunden Dienstleistungen auf der Schuldschein- und Anleihenseite anzubieten.

Wie hat sich der Markt entwickelt?

Für einige Unternehmen ist der Schuldschein heute zum Hauptfinanzierungsinstrument geworden und nicht mehr nur eine Ergänzung zu den herkömmlichen Kreditlinien und Unternehmensanleihen. Der Markt ist in der Lage, Liquidität für eine breite Palette von Geschäftsmodellen in einem breiten Ratingspektrum bereitzustellen. Außerdem hat sich das Produkt internationalisiert - je mehr Abschlüsse wir aus bestimmten Ländern sehen, desto größer ist das Vertrauen der Anleger.

Was hat UniCredit Ihrer Meinung nach geholfen, so weit auf dem Markt vorzudringen?

Eine gut etablierte Präsenz in Deutschland ist natürlich hilfreich. Dies in Kombination mit unserem einzigartigen Franchise - dass heißt tiefe Unternehmensbeziehungen in ganz Europa und eine Verbindung zu Investoren sowohl in Deutschland als auch im Ausland, um die Expansion des Produkts zu unterstützen.

Was sind die Herausforderungen, wenn neue oder internationale Akteure auf den Markt kommen?

Es kann einige Zeit dauern, bis das Vertrauen sowohl der Emittenten als auch der Anleger aufgebaut ist. Unserer Erfahrung nach gewöhnen sich die Anleger umso mehr an das Instrument, den rechtlichen Rahmen und die Kreditqualität, je mehr Transaktionen sie aus einem bestimmten Land sehen.

Überschrift des Artikels im Original:How Italy’s UniCredit Bagged Big Role in Niche German Debt: Q&A

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