Uni-Projekt zeigt: So schnell fallen Internet-User auf Fake News herein

Forscher der Universität Hohenheim kreierten ein rechtes Blog. (Bild: dpa)

Zwischen Fake und Fakt zu unterscheiden – das fällt vielen Leuten in Zeiten von Social Media immer schwerer. Was stimmt, was nicht? Kann man Nachrichten wirklich noch trauen? Ein Projekt der Uni Hohenheim zeigt nun, wie schnell sich Falschmeldungen im Netz verbreiten lassen.

Vier Meldungen über einen Zeitraum von zwei Wochen brachten im April dieses Jahres Tausende Menschen um den Schlaf. Eine davon lautete: „Gratis-Sex für Asylanten – Landratsamt zahlt!“. Erschienen war diese Meldung am 24. April 2017 auf dem Nachrichtenportal „Der Volksbeobachter“. In den sozialen Netzwerken verbreitete sie sich rasend. Doch was jene Leute, die diese Nachricht im Internet teilten, nicht wussten: Sie war von vorne bis hinten erfunden – von Mitarbeitern der Universität Hohenheim in Stuttgart.

Diese sowie drei weitere Meldungen waren absichtlich generierte Fake News, genauso wie die Webseite „Der Volksbeobachter“ kein echtes Nachrichtenblog ist. Die Wissenschaftler legten die Seite an, um darüber ihre Falschmeldungen in Umlauf zu bringen. Und das gelang ihnen leichter, als sie ursprünglich angenommen hatten. Ungeprüft verbreiteten Hunderte Menschen die Meldung von den Asylbewerbern, die kostenlosen Sex bekommen, weiter.

Besonders oft Zielscheibe von Fake News: Asiatische und afrikanische Flüchtlinge. (Bild: dpa)

Dabei hätte man schon beim Lesen dieser Meldung stutzig werden müssen. In dem Fake-Artikel heißt es: „Seit Anfang des Jahres hält vor dem Flüchtlingsheim Bad Eulen jeden Mittwoch ein Wohnmobil – ganz wie der Wagen eines Eisverkäufers vor dem Freibad. Das Mobil transportiert aber nicht etwa kühle Snacks und Getränke, sondern zwei Sexarbeiterinnen. Sie stehen den männlichen Heimbewohnern ab 18 Uhr mit ihren Diensten zur Verfügung. Oft bis weit nach 22 Uhr. Für das Vergnügen zahlt das Landratsamt.“

Weder existiert das im Artikel genannte Bad Eulen, noch gibt es in Deutschland Prostituierte, die auf Steuerzahlerkosten Flüchtlingen zum Vergnügen zur Verfügung stehen. Doch in den Echokammern des Internets schenken etliche Menschen jenen Nachrichten Glauben, die in ihr vorhandenes Weltbild passen. Entgegengesetzte Meldungen werden ignoriert oder für unwahr befunden. Und so kam es, dass innerhalb von nur vier Tagen die News „Gratis-Sex für Asylanten – Landratsamt zahlt!“ über 11.000 Menschen erreichte.

Der für das Projekt verantwortliche Wissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Schweiger sagte in der am Montag vom SWR ausgestrahlten Doku „Im Netz der Lügen“, die sich mit dem Zustandekommen von Fake News auseinandersetzte: „Ein Großteil dieser rechten Filterblasen, die wir so erleben, wird von relativ wenig Leuten verursacht, die aber immens aktiv sind.“

Der Kommunikationswissenschaftler weiter: „Es ist immens schwer, wenn man eine Meldung sieht: Ist die wahr oder ist sie nicht wahr?” Viele Menschen erreichten oftmals Nachrichten über den Facebook-Freundeskreis: “Man vertraut dann darauf, dieser Meldung – und das ist oft der Fehler, denn die Freunde können es oft genauso wenig beurteilen und fallen auch drauf rein.“

Und was hilft gegen Fake News? Forschungsleiter Schweiger hat einen Rat: Man solle nicht-personalisierte Nachrichtenangebote von Journalisten nutzen. Sprich: die von vielen verunglimpften „Mainstream-Medien“. Nur so könne man sich vor fingierten Neuigkeiten schützen.