Unheimliches Kursfeuerwerk


Notenbanken stehen für Solidität: Wenige Worte von Mario Draghi, Janet Yellen und Co. genügen, um die Märkte zu bewegen. Manchmal werden Notenbanken aber auch an den Märkten bewegt – so wie die Schweizerische Nationalbank SNB. Sie ist eine von vier Notenbanken, die an der Börse notiert sind. Und dort geht es für die SNB-Aktie derzeit ziemlich turbulent zu.

Satte zehn Prozent legte die SNB-Aktie am Donnerstag zu, um danach wieder nachzugeben. Seit Jahresbeginn liegt das Kursplus bei rund 150 Prozent. Aber Achtung: Für die Kursrally gibt es keine rationale Erklärung. Börsianer sehen Spekulanten am Werk – und ziehen den Vergleich zu der notorisch volatilen Online-Währung Bitcoin. Die Bank selbst will sich zu dem Vorgang nicht äußern.


Auf den ersten Blick gibt es durchaus gute Gründe, bei der SNB einzusteigen. Sie ist einer der ganz großen Spieler am Finanzmarkt. Damit die schweizerische Landeswährung nicht weiter an Wert zulegt, druckt die Nationalbank neues Geld, tauscht es in US-Dollar um – und deckt sich mit Wertpapieren ein. Das macht die Notenbanker bei vielen Unternehmen zum Großaktionär. Zuletzt hielt die SNB Aktien für rund 84 Milliarden US-Dollar. So gesehen ist die Notenbank ein gigantischer Hedgefonds mit staatlichem Auftrag.
Das heißt aber nicht, dass Aktionäre automatisch profitieren. Denn SNB ist nun mal kein rein privates Unternehmen. Dass sie überhaupt an der Börse notiert ist, erklärt sich durch einen typisch schweizerischen Kompromiss. Früher waren es privatrechtliche Banken, die Geld druckten. Bei der Gründung der Nationalbank im Jahr 1905 rang man um einen Mittelweg zwischen einer staatlichen und einer privatwirtschaftlichen Lösung.

Seitdem können Kleinaktionäre die Papiere der SNB erwerben. Doch ihre Mitspracherechte sind qua Gesetz begrenzt. Die Privatanleger können die Notenbank also nicht dazu zwingen, die gigantischen Aktienbestände zu Geld zu machen – oder etwaige Gewinne gar als Sonderdividende auszuschütten. Der Gewinn, den die Notenbank an ihre Anleger ausschüttet, ist nämlich gedeckelt: Maximal 15 Franken je Aktie sind an jährlicher Dividende drin. Damit liegt die Dividendenrendite bei lächerlichen 0,4 Prozent.


„Besser als nichts!“, scheinen viele Anleger zu denken – und steigen dennoch ein. Doch damit gehen sie ins Risiko. Denn nur wenige Aktien der SNB sind in Umlauf. An manchen Tagen wechselt an der Schweizer Börse nur eine Handvoll Aktien den Besitzer. Das geringe Handelsvolumen macht die Papiere sehr anfällig für Kursschwankungen.

Deshalb ist Vorsicht angebracht: Für die Arbeit der Notenbanker macht es kaum einen Unterschied, wenn sich ihr Aktienkurs halbiert. Für die betroffenen Anleger schon.