Unheimlicher Parasit: Pilz macht Ameisen zu „Zombies“

Ein Pilz macht Rossameisen zu willenlosen Kreaturen – und tötet sie schließlich. (Bild: ddp images/Frank Hecker, Symbolbild)

Es klingt wie Material aus einem Science-Fiction-Film: Eine spezielle Pilzgattung übernimmt die Kontrolle über Körper und Geist von Ameisen – bevor er sie tötet.

Ophiocordyceps unilateralis heißt die Pilzgattung, die sich kein Drehbuchschreiber dystopischer Filmplots besser ausdenken hätte können. Der Pilz dringt in den Körper von Ameisen ein und beeinflusst sogar das Verhalten der Tiere, ehe er schlussendlich seine Wirte sterben lässt. Der „Zombiepilz“ ist unter anderem in den tropischen Regenwäldern Brasiliens zu finden. Als Opfer sucht er sich nur spezielle Ameisengattungen aus, darunter Rossameisen.

Ist die Ameise mit dem Pilz infiziert, verlässt sie innerhalb einer Woche wie ferngesteuert ihr Nest und erklimmt eine kleinere Pflanze in ihrem Umfeld. Genau auf 25 Zentimetern Höhe macht sie Halt. Diese Höhe bietet genau die richtigen Bedingungen in puncto Temperatur und Feuchtigkeit für den Pilz. Die Ameise verbeißt sich mit ihren Mandibeln in das Blatt – der Pilz hat freies Spiel.

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Der Ameisen-Körper unterwirft sich vollständig dem Parasiten

Der Ameise wächst ein Stängel aus dem Kopf. Von diesem aus bildet sich eine Kapsel voller Sporen, die weitere Opfer einlullen. Die Tiere suchen sich meistens eine Pflanze nahe ihrer Kolonie, von dort aus kann der Pilz auch andere Ameisen infizieren. Letztendlich tötet der Pilz seinen Wirt mit einem Chemikaliengemisch.

Wie diese Übernahme oder, wenn man es so will, „Zombifizierung“ der Ameisengehirne funktioniert, erforschten David Hughes und seine Studentin Maridel Fredericksen. Wie das Magazin „The Atlantic“ berichtet, nutzte Fredericksen ein spezielles Mikroskop, um infizierte Ameisen zu sezieren und in 50 Nanometer (ein Tausendstel eines menschlichen Haars) dicke Streifen zu schneiden. In einem aufwändigen Verfahren scannte sie jeden der Streifen und eruierte gemeinsam mit einem Computerwissenschaftler, welche Teile zur Ameise und welche zum Pilz gehören.

Das Gehirn bleibt außen vor, trotzdem ist das Tier wie ferngesteuert

Die Erkenntnis: Wenn ein Pilz seinen Wirt invadiert, dann existiert er in einzelnen Zellen im Blutkreislauf des Tieres, die sich selbst immer wieder vermehren. Später beginnen diese Einzelzellen zusammenzuarbeiten und sich durch spezielle Röhren zu verbinden. So tauschen sie Nährstoffe aus und kommunizieren miteinander. Aber nicht nur der Blutkreislauf, auch in die Muskeln kann der Pilz eindringen. Dafür nutzt er zwei Möglichkeiten: Entweder er penetriert die Muskelzellen an sich oder er nimmt den Platz zwischen diesen ein.

Bemerkenswert dabei: Obwohl der Pilz die Ameisen wie ferngesteuert agieren lässt, bleibt das Gehirn von den Pilzzellen unberührt. Die Wissenschaftler vermuten, dass der Pilz chemische Sekrete aussondert, der das Gehirn der Ameisen extern kontrolliert, ohne es direkt anzugreifen, zitiert „The Atlantic“ Charissa de Bekker von der Universität von Central Florida.

Der Ophiocordyceps unilateralis wird also zum Puppenspieler – ehe er seinen Wirt umbringt.

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