Wundersames Comeback: Selbst Gegenspieler begeistert

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Wundersames Comeback: Selbst Gegenspieler begeistert
Wundersames Comeback: Selbst Gegenspieler begeistert
Wundersames Comeback: Selbst Gegenspieler begeistert

Raúl Jiménez’ Erinnerungen an den 29. November 2020 enden irgendwann am frühen Abend.

“Ich weiß noch, wie wir im Stadion ankamen”, berichtete Jiménez nun fast neun Monate später im Gespräch mit englischen Pressevertretern. “Ich habe meine Sachen in der Umkleidekabine gelassen und bin mit meinen Teamkollegen rausgegangen, um mir den Platz anzuschauen. Dann kehrten wir zurück in die Kabine. Und dann: Lichter aus!”

Die Erinnerung setzt erst wieder ein, als er im Krankenhaus wieder aufwachte. “Ein paar Dinge”, habe er vor Augen, “aber nichts wirklich Klares.”

Jiménez erleidet Schädelbruch bei Zusammenprall mit Luiz

Rückblick: Im Emirates Stadium läuft an jenem Novemberabend die Anfangsphase der Partie zwischen dem FC Arsenal und den Wolverhampton Wanderers. Bei einer Ecke der Gunners steigt Wolves-Stürmer Jiménez im eigenen Sechzehner zu einem klärenden Kopfball hoch, doch der aufgerückte Arsenal-Verteidiger David Luiz rauscht ebenfalls heran. Beide prallen heftig mit den Köpfen aneinander.

Die schnell herbeigeeilten Sanitäter kümmern sich um die Verletzten. Luiz kommt etwas glimpflicher davon, spielt mit einem Kopfverband sogar noch bis zur Halbzeitpause weiter.

Doch Jiménez hat es schlimmer erwischt. Noch auf dem Feld wird er mit Sauerstoff versorgt, nach minutenlanger Behandlung auf dem Rasen schließlich abtransportiert und umgehend ins Krankenhaus gebracht.

Jiménez schaut sich Videos seiner Verletzung an

“Ich habe die Physiotherapeuten gebeten, mir Videos von verschiedenen Seiten des Spielfelds zu schicken”, erzählte Jiménez nun. “Ich wollte sehen, was passiert ist. Für mich war es, als wäre es nie passiert, weil ich mich nicht erinnern kann.”

Der Anblick der große Narbe an der rechten Seite seines Kopfes wird ihm jedoch immer ins Gedächtnis rufen: Da war etwas.

Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte einen Schädelbruch. Noch in der Nacht wurde Jiménez operiert. Als er wieder wach wurde, teilten ihm die Ärzte mit, er könne von Glück sagen, dass er überlebt habe.

“Es ist ein Wunder für mich”

Durch die Schädelfraktur habe es eine kleine Einblutung im Gehirn gegeben, erklärte Jiménez. “Sie drückte mein Gehirn nach innen und daher musste die Operation schnell gehen. Die Ärzte haben wirklich gute Arbeit geleistet und ich bin wieder hier. Es ist ein Wunder für mich! Die Ärzte und Chirurgen haben mir gesagt, dass ich jetzt mein Leben wie früher leben kann.”

Dazu zählt auch: wieder auf dem Fußballplatz zu stehen.

Am Samstag feierte der 30-jährige Mexikaner beim Premier-League-Auftakt seiner Wolves bei Leicester City sein Comeback in einem Pflichtspiel. “Ich habe fast neun Monate auf diesen Moment gewartet, wieder mitzuspielen und ich bin zurück”, twitterte Jiménez nach seinem 90-minütigen Einsatz. Einzig das Ergebnis von 0:1 hinterlasse einen bitteren Beigeschmack. (Spielplan und Ergebnisse der Premier League)

Sogar Gegenspieler wie James Madison und der frühere Freiburger Caglar Söyüncü gratulierten ihm zu seinem Comeback. Gespielt hat der 85-malige mexikanische Nationalspieler mit einem Spezialhelm, der in den vergangenen Monaten immer wieder angepasst wurde. Tipps bekam er dabei vom früheren Chelsea-Torhüter Petr Cech, der 2006 ebenfalls eine schwere Kopfverletzung erlitt und seither mit einem Helm spielte.

Cech hilft Jiménez: “War da, wenn ich ihn brauchte”

Jiménez berichtete von einem Treffen mit Cech am Rande eines Auswärtsspiels in London, bei dem der ehemalige Keeper einen seiner Helme mitbrachte, um mit den Ärzten abzuklären, ob so etwas auch Jiménez helfen könnte.

“Ich bin mit Petr in Kontakt geblieben”, sagte Jiménez. “Er hat mir geschrieben, wenn ich es brauchte und er war da, wenn ich ihn brauchte.”

Sein Weg zurück auf den Rasen erforderte viel Geduld. Schon gegen Ende der vergangenen Saison hatte sich Jiménez eigentlich wieder fit genug gefühlt. Doch die Ärzte meinten, sein Schädel sei noch nicht bereit.

“Das ist der schwierigste Teil, weil du denkst, du bist bereit, aber du bist es nicht”, erzählte Jiménez. “Es ist nicht wie bei einer Knieverletzung oder bei etwas, das ich spüren kann, wenn ich laufe.”

Wolves-Star Jiménez freut sich auf Wiedersehen mit Ex-Coach Nuno

Die Gefahr eines vorzeitigen Karriereendes hat er immer ausgeblendet. “Ich war immer davon überzeugt, dass ich zurückkommen werde.”

Nach seinem Comeback geht sein Blick nach vorne. Vor seiner schweren Verletzung gelangen dem Angreifer vier Tore in den ersten neun Premier-League-Spielen der Saison 2020/21. Im Jahr davor schoss Jiménez, der über Atlético Madrid und Benfica Lissabon 2018 seinen Weg zu den Wolves fand, in 55 Pflichtspielen 27 Treffer. (Alles zum Transfermarkt im SPORT1-Transferticker)

Am Sonntag kommt es im heimischen Molineux zum Duell mit Tottenham Hotspur - und zum Wiedersehen mit seinem früheren Trainer Nuno Espirito Santo (Premier League: Wolverhampton Wanderers - Tottenham Hotspur, Sonntag ab 15 Uhr im LIVETICKER).

“Es wird gut werden”, ist sich Jiménez sicher. “Er hat mich in den letzten Monaten sehr unterstützt. Ich habe ihn vor drei Wochen gesehen. Er hat mir gesagt, dass er sich wirklich freut, mich wieder spielen zu sehen.”

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