Ungewöhnlicher Tag der Arbeit: Viele Kundgebungen online

BERLIN (dpa-AFX) - Abstand statt Arbeiterbewegung: Zum ersten Mal seit mehr als 70 Jahren wird der Tag der Arbeit am 1. Mai ohne Kundgebungen und Demonstrationen auf den Straßen begangen. Wegen der Einschränkungen durch das Coronavirus verlegen Gewerkschaften und Bündnisse ihre Aktionen am Freitag teilweise ins Netz.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte eigentlich wie jedes Jahr mehrere hundert Veranstaltungen in der gesamten Republik geplant, die Hauptkundgebung wäre in diesem Jahr in Hamburg gewesen, hieß es. Unter dem Motto "Solidarisch ist man nicht alleine" will der DGB die Menschen nun stattdessen mit einem Live-Stream zusammenbringen. Mit dabei sind unter anderem der Sänger Konstantin Wecker und die Band Mia. Neben Gesprächen, Reden und Solidaritätsbotschaften soll es einen virtuellen Chor geben, der "You'll never walk alone" singen wird. Auch die Gewerkschaften Verdi und IG Metall beteiligen sich an der Aktion des DGB.

Die SPD will eine "Online-Demo" starten, heißt es auf der Website: Jeder soll sich den Hashtag "gema1nsam" auf die Hand schreiben und ein Selfie oder Video mit einer Forderung posten.

Andere machen auch ohne Internet auf sich aufmerksam: Der Verband Deutscher Reeder ruft dazu auf, dass die Schiffe in allen Häfen der Welt um 12 Uhr laut und vernehmlich tuten sollen. Damit wollen sie auf die Arbeit von Seefahrern aufmerksam machen. Gerade in der Pandemie seien sie beispielsweise mangels Crewwechsel besonders gefordert.

Traditionell mobilisiert die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung am 1. Mai für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Der "Tag der Arbeit" wird seit fast 130 Jahren begangen. In Deutschland gab es am 1. Mai 1890 erstmals Massendemonstrationen. In den vergangenen Jahren nahmen an den Veranstaltungen rund um den Feiertag mehrere Hunderttausend Leute teil.