Der japanische Rowdy und die solide Schweizerin: Der japanische Telekom- und Medienkonzern Softbank will bei der Rückversicherung Swiss Re einsteigen. Davon könnten beide Seiten profitieren.


Sich die Unterschiede zu bewahren – das ist für viele Paare ein Erfolgsrezept. So gesehen könnten der japanische Telekom- und Medienkonzern Softbank und der Rückversicherungsriese Swiss Re eine glückliche Zeit ins Haus stehen: Am Mittwochabend wurde bekannt, dass die Japaner über einen Einstieg bei dem Rückversicherungskonzern verhandeln. Dabei könnten beide Unternehmen kaum unterschiedlicher sein.

Die Gespräche seien noch in einem sehr frühen Stadium, heißt es bei der Swiss Re. Das „Wall Street Journal“ geht dagegen weiter: Es berichtet von einem fortgeschrittenen Prozess. Es soll um einen Anteil im Wert von zehn Milliarden US-Dollar gehen. Doch besiegelt ist der Deal noch lange nicht.

Die beiden Unternehmen haben wenig gemeinsam: Die Swiss Re blickt auf eine 155-jährige Geschichte zurück. Von Ratingagenturen wird sie mit der sehr guten AA-Note bewertet, für Schlagzeilen sorgt sie selten – die solide, vielleicht sogar etwas langweilige Schweizerin eben.


Auf der anderen Seite Softbank: Das Unternehmen wurde 1981 gegründet und mauserte sich vom Telekomanbieter zum Technologieinvestor. Die Japaner machen mit spektakulären Übernahmen von sich reden – und werden von Ratingagenturen als spekulatives Investment bewertet. Softbank hat in jüngster Zeit bei vielen Technologieunternehmen den Geldgeber gespielt. So sind die Japaner etwa am Uber-Konkurrenten Didi beteiligt, oder an der indischen Taxi-App Ola. Auf den ersten Blick passt ein Rückversicherer wie die Swiss Re da kaum ins Portfolio.

Doch die Rückversicherung dürfte durch die Digitalisierung drastisch umgekrempelt werden: Rückversicherer nehmen Versicherungen deren Risiken ab. Jahrelang diskutierten Rückversicherungsriesen wie Swiss Re ihre Prämien direkt mit den Versicherern – oder mit deren Maklern. Zwischen Branchentreffen in Monte Carlo und Baden-Baden werden die Preise festgezurrt. Ein „People’s Business“, das sich durch die Digitalisierung wahrscheinlich sehr viel schlanker abwickeln lässt. Denn Vermittlungsprovisionen und Verwaltungsgebühren verschlingen sehr viel Geld.

Softbank dürfte versuchen, die Versicherungen der Swiss Re – die sich etwa auch an große Konzerne richten – über eigene Technologieplattformen zu vertreiben. Das könnte der Swiss Re gegenüber Konkurrenten einen Vorteil verschaffen. Von dem Einstieg könnten also beide Seiten profitieren. Und wenn die Revolution ausbleibt, bliebe Softbank mit der Swiss-Re-Beteiligung immer noch ein solides Investment, dass sich bei Gelegenheit wieder zu Geld machen lässt.