Sollen Ungeimpfte ihre Corona-Schnelltests selbst bezahlen? Ein Epidemiologe hält das für sinnvoll

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Sandro Hauptmann, Mitarbeiter eines XXL-Fitness-Centers, desinfiziert sich in einer Kletterhalle nach einem Corona-Schnelltest die Hände.
Sandro Hauptmann, Mitarbeiter eines XXL-Fitness-Centers, desinfiziert sich in einer Kletterhalle nach einem Corona-Schnelltest die Hände.

Über 50 Millionen Menschen in Deutschland sind mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft, fast 40 Millionen haben bereits den vollen Impfschutz. Zuletzt nahm das Impftempo jedoch deutlich ab, von einer Herdenimmunität ist die Bundesrepublik weit entfernt.

Die Politik diskutiert deshalb über Impfanreize. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) brachte eine Impflotterie ins Gespräch, der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wünscht sich, dass auch vor Bars und Clubs Impfungen angeboten werden.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) machte vergangene Woche einen anderen Vorschlag: Bund und Länder sollten darüber nachdenken, Ungeimpften nicht länger die Kosten für Corona-Schnelltests zu erstatten. Es sei eine "eine Frage der Fairness", dass die Steuerzahler nicht die hohen Kosten für Tests von Menschen übernehmen sollten, die sich nicht impfen lassen wollten. Zuletzt sprachen sich auch die ehemalige Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) für diese Maßnahme aus.

Vergangene Woche zeigten sich zudem Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) offen für den Vorschlag. Ungeimpften die Kosten für Schnelltests in Zukunft nicht zu erstatten. "Für Deutschland sehe ich das jetzt noch nicht, aber ich will auch nicht ausschließen, dass man mal in diese Situation hineinkommt", sagte Spahn bei einem gemeinsamen Termin mit Merkel beim Robert-Koch-Institut. Die Kanzlerin nannte die Maßnahme eine "indirekte Impfpflicht", deren Einführung man sich gut überlegen müsse. Zunächst gehe es weiter darum, für das Impfen zu werden – "dann diskutieren wir weiter".

"Selbstverständlich soll mit so einer Regelung die Präferenz für die Impfung erhöht werden"

Eine Frage, die bei dieser Diskussion zu klären wäre: Ist es wirklich klug, inmitten einer Pandemie den Zugang zu Tests zu begrenzen, die Infektionen mit dem Coronavirus nachweisen? Ja, sagt Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen.

"Selbstverständlich soll mit so einer Regelung die Präferenz für die Impfung erhöht werden", sagt Zeeb. "Aber angesichts der Verfügbarkeit und der Wirksamkeit der Impfungen ist es epidemiologisch sinnvoll, diese Gewichtung zu machen. Denn Impfungen wirken präventiv, Testungen ja nur 'informativ'." Was Zeeb meint: Die Impfungen schützen nachhaltig gegen das Coronavirus, Schnelltests weisen es hingegen nur nach und ermöglichen dann andere Vorsichtsmaßnahmen, wie eine Quarantäne.

"Schnelltests haben nur einen gewissen Anteil an der Gesamtinformation über die Pandemie", sagt Zeeb. Symptomatische Personen würden weiterhin mit PCR-Tests getestet, "das macht auch ohne vorhergehenden Schnelltest bisher schon den Großteil aller positiven Ergebnisse in Deutschland aus." Wenn nun also Schnelltest für Ungeimpfte nicht mehr kostenlos seien, könnte das zwar dazu führen, dass weniger Tests durchgeführt werden. "Andererseits wird es einfach Umstände geben, wo ein Schnelltest für Nicht-Geimpfte und Nicht-Genesene gefordert sein wird, und ansonsten ist dann keine gesellschaftliche Teilnahme möglich ist", sagt Zeeb. "Es wird also weiterhin umfänglich Schnelltests – dann aber bezahlt durch die Nutzer – geben."

Was passiert, wenn Corona-Tests nicht mehr kostenlos sind, zeigt sich in Frankreich

Dass es tatsächlich zu mehr Impfungen führen kann, die Kostenerstattung für Corona-Tests aufzuheben, machte zuletzt Frankreich vor. Am Montag der vergangenen Woche verkündete Präsident Emmanuel Macron, dass Restaurant-, Kino-, Café- und Theaterbesuche ab August nur noch für Geimpfte, Genesene oder Menschen, die einen negativen PCR-Test vorlegen können, möglich sind. Ab September sollen die PCR-Tests nicht mehr kostenlos sein. Macrons Ansprache zeigte Wirkung: Innerhalb eines Tages meldeten sich 2,2 Millionen Franzosen für einen Impftermin an.

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