Ungarns Hinterland ist Orbans Sieg

Ungarn hatte eine historisch hohe Wahlbeteiligung von 70 Prozent. Budapest ist traditionell Links, das Land gehört der Rechten. Was die Städter interessiert, spielt auf dem abgehängten Land keine Rolle. Dort hat der Populismus gewonnen.

In Budapest sitzt der Schock bei manchen tief. stimmen von der Strasse:

"Ich bin deprimiert. Ich dachte, sie gewinnen die Mehrheit, aber das sie 2/3 holen, damit hab ich nicht gerechnet."

"Die Kommunikation von Fidesz war im letzten Jahr so stark, es überrascht nicht wirklich."

"Diese Wahl war auf die Dominanz der Regierung in den Medien und Fake-News angelegt, das hat sich als erfolgreich erwiesen."

Aber es gibt auch andere Stimmen:

"Ich bin absolut zufrieden, aber ich weiss nicht, warum die Opposition nicht akzeptieren kann, dass die Menschen keinen Regierungswechsel wollten."

Die rechtsnationale Partei Jobbik hatte die richtigen Themen für das Land gesetzt: Lohnerhöhungen. Armutsbedingte Landflucht ist hier ein großes Thema. Zweiter Schwerpunkt ihres Wahlkampfes war die Korruption, die allerdings auf dem Land kaum interessiert.

Attila Juhász ist Senior Analyst von Political Capital:

"Die Jobbik konnte es auf dem Land nicht schaffen, also blieb nur die Fidesz als Retter..."

Angst vor Überfremdung und Migration waren die beherrschende Themen, mit denen Fidesz auf dem Land gewonnen hat. Die ungarischen Wahlen haben gezeigt, wie tief die Kluft zwischen Budapest und dem ländlichen Raum ist. Das dürfte sich in den kommenden Jahren noch verschärfen.