Die unfassbare Geschichte der Wirecard-Aktie

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
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Für viele Beobachter und Aktionäre ist die Wirecard (WKN: 747206)-Geschichte nach wie vor unglaublich. Wie kann ein Unternehmen in Deutschland hauptsächlich durch erfundene Umsätze in den DAX aufsteigen, in der Spitze eine Marktkapitalisierung von 24,5 Mrd. Euro erreichen und dies alles, ohne dass es auffällt?

Wahrscheinlich ist der Fall in Wahrheit noch viel schlimmer, denn tatsächlich sind sehr vielen Beteiligten schon frühzeitig mehrere Ungereimtheiten aufgefallen. Dennoch wurde nichts unternommen. Im Gegenteil, oft wurde eine Verschwörung gegen das Unternehmen vermutet und es deshalb in Schutz genommen.

Schon 2008 kamen erste Zweifel an Wirecards Zahlen auf, worauf Ernst&Young eine Sonderprüfung durchführte. Später wurden sogar Investoren, die gegen die Aktie wetteten, verurteilt. Kritiker verklagte Wirecard sofort, obwohl sie doch hätten geschützt werden müssen. Dies alles sind für einen demokratischen Staat unhaltbare Zustände. Dabei hätte bereits 2008 eine einzige genaue Prüfung genügt, um großes Unheil von den Anlegern und von der Reputation des deutschen Kapitalmarktes abzuwenden.

Viele Partnerschaften waren erfunden

Wie im Nachgang bekannt wurde, hat Wirecard nicht nur seinen Umsatz zum Großteil manipuliert, sondern auch viele Partnerschaften erfunden. Darüber berichtete kürzlich das „Wall Street Journal“. Es prüfte über 300 dieser „Partnerschaften“ und fand heraus, dass hinter den meisten keine Substanz steckte.

Auch in diesen Fällen stellt sich die Frage, warum von den offiziellen Partnern keine kritische Anmerkung oder Dementierung erfolgte. Ein Grund könnte sein, dass sie ebenfalls von den Meldungen profitierten und sich deshalb zurückhielten. Daraus ließe sich wiederum schließen, dass frühzeitig sehr viel mehr Menschen vom Wirecard-Betrug wussten, ihn aber nicht meldeten. Tatsächlich geben laut „Wall Street Journal“ viele kleine Partner unumwunden zu, gewusst zu haben, dass die Wirecard-Meldungen falsch waren, sie aber als kostenlose Werbung akzeptiert haben.

So veröffentlichte Wirecard beispielsweise ganz offiziell eine Entwicklungspartnerschaft mit SAP (WKN: 716460), obwohl sie niemals abgeschlossen wurde. Bei SAP wunderte man sich zwar darüber, machte den Vorfall aber nicht bekannt. Besonders der ehemalige Wirecard-Vorstandsvorsitzende Dr. Markus Braun gerät nun hierbei verstärkt unter Verdacht, denn ihm war die Verkündung von immer wieder neuen Partnerschaften sehr wichtig.

Wirtschaftsprüfung und Aufsicht haben nicht funktioniert

In unserer Wirtschaft verlagern sich aktuell immer mehr Geschäfte in das Internet, wodurch die daraus resultierenden Ergebnisse einfacher manipulierbar sind. Dies könnte ein Grund dafür sein, warum der Wirecard-Betrug so lange unentdeckt blieb.

Dennoch hätte er über eine Gegenprüfung der Kontoauszüge sofort und frühzeitig aufgedeckt werden können. Doch erst als die zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in diesem Jahr (2020) Zweifel an Wirecards Zahlen anmeldete, stellte plötzlich auch Ernst&Young fest, dass Bankbelege gefälscht und 1,9 Mrd. Euro nur erfunden waren.

Geldwäschekontrollen fanden bei Wirecard seitens der BaFin deshalb nicht statt, weil man das Unternehmen als Technologieunternehmen einstufte. Doch tatsächlich gab die Firma selbst immer wieder Zahlungsdienstleistungen als Hauptgeschäft an. Bereits 2015 wurde in den USA eine Razzia wegen des Verdachts auf Geldwäsche durchgeführt. Sie hatte in Deutschland keine Folgen. Selbst gegen die Wirecard-Bank gab es Geldwäscheanzeigen, doch auch hier hatten die Ermittlungen keine größeren Konsequenzen.

Fazit

Zusammenfasend lässt sich feststellen, dass der Wirecard-Betrug schon frühzeitig hätte verhindert werden können. Es bleibt nur zu hoffen, dass daraus wirkungsvolle Konsequenzen gezogen werden, die sehr einfach zu implementieren wären, um solche Fälle zukünftig zu vermeiden.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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