Die unangenehme Erkenntnis, die sich Deutschlands Mittelschicht nicht eingestehen will

Stefanie Kemmner
Outlet-Center könnten den Einzelhandel in deutschen Innenstädten gefährden

In Deutschland sind 6,9 Millionen Menschen über 18 Jahren überschuldet — damit steigt die Zahl der Überschuldeteten zum vierten Mal in Folge, obwohl die Wirtschaft in Deutschland wächst und die Arbeitslosenzahlen sinken. Das zeigt die aktuelle Studie des „SchuldnerAtlas“ des Inkassodienstleisters Creditreform. 

Am stärksten ist davon die Mittelschicht betroffen, wie auch in den Jahren zuvor. Mehr als 60 Prozent der Überschuldungsfälle (4,38 Millionen) stammen aus der Mittelschicht. Tatsächlich hat sogar nur hier die Zahl der neuen Überschuldungsfälle zugenommen. Die „gehobenere Schicht“ und die „unteren Schichten“ verzeichnen in diesem Jahr 3.000 beziehungsweise 1.000 weniger Überschuldungen. 

Eine „Erosion der Mittelschicht“

Welche Ursachen und Konsequenzen die Überschuldung für die mittleren Schichten hat, analysierte die Creditreform im Sonderthema „Die angegriffene Mitte“. Denn klar ist: Eine weiter zunehmende Überschuldung der Mitte führt letztlich dazu, dass sie sich immer weiter auflöst und die Schere zwischen arm und reich größer wird. Die Forscher, die dieses Thema im Jahr 2012 bereits aufgegriffen haben, sprachen sogar damals schon von einer „Erosion der Mittelschicht“.

Die Forscher Marion Müller, Patricia Pfeil und Udo Dengel haben über drei Jahre hinweg 14 überschuldete Paare und drei überschuldete Einzelpersonen begleitet, um vor allem auch die gesellschaftlichen Folgen der Überschuldung zu untersuchen. Dabei stellten sie fest, dass die Überschuldung die Normalitätskonzepte der Menschen in Frage stellt und damit ihre ganze Identität ins Wanken gerät. 

Weiterlesen auf businessinsider.de