Nach Unabhängigkeitsvotum Flugverbot in irakischer Kurdenregion in Kraft

Internationaler Flughafen in Erbil

Wenige Tage nach dem Votum der nordirakischen Kurden für eine Unabhängigkeit von Bagdad hat die Zentralregierung ihre Drohung wahr gemacht und ein Flugverbot für die autonome Kurdenregion verhängt. Auch die deutschen Fluggesellschaften Lufthansa und Germania strichen daher ihre Verbindungen in die Regionalhauptstadt Erbil und nach Suleimanija. Kurz vor Aussetzung der internationalen Flüge hatten zahlreiche Ausländer versucht, die Kurdenregion zu verlassen.

Eine Lufthansa-Sprecherin sagte in Frankfurt am Main, die Lufthansa und Austrian Airlines hätten ihre Flüge in die nordirakische Kurdenregion für Samstag und Sonntag abgesagt. Bislang flog die Lufthansa Erbil von Frankfurt am Main jeden Samstag an, Austrian Airlines bot täglich eine Verbindung in die Region an.

Die Fluggesellschaft Germania erklärte, wegen des Flugverbots fielen ihre Verbindungen nach Erbil und Suleimanija "bis auf Weiteres" aus. Betroffene Passagiere könnten kostenfrei umbuchen oder sich den vollen Ticketpreis erstatten lassen.

Um die Kurdenregion noch rechtzeitig verlassen zu können, warteten am Freitagnachmittag rund hundert Passagiere am Flughafen von Erbil auf den letzten internationalen Flug nach Wien. In der zweitgrößten Stadt Suleimanija sagte ein Flughafensprecher, es gebe seit Tagen einen erhöhten Andrang.

Die irakische Zentralregierung hatte nach dem kurdischen Unabhängigkeitsreferendum angeordnet, am Freitag um 18.00 Uhr (Ortszeit, 17.00 Uhr MESZ) alle regulären internationalen Flüge in und aus der Region zu stoppen, sollte die Regionalregierung nicht die Kontrolle über die beiden Flughäfen Erbil und Suleimanija an Bagdad übergeben.

Die Sprecherin des Flughafens in Erbil erklärte, das Flugverbot sei eine "Bestrafung für die Iraker". Humanitäre, militärische und diplomatische Flüge seien allerdings nicht betroffen. Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi versicherte, es handele sich nicht um eine "Vergeltung", sondern eine "legale Maßnahme des Ministerrats".

Viele Ausländer arbeiten mit einem Visum der kurdischen Autonomieregion, das nur dort gilt, so dass sie nicht in andere Teile des Irak reisen können. Ein brasilianischer Mitarbeiter einer Hilfsorganisation sagte, er und seine Kollegen seien am frühen Morgen zum Flughafen in Erbil gekommen, um genügend Plätze für ihre 16-köpfige Gruppe zu finden.

Die Kurden im Nordirak hatten am Montag trotz des Widerstands der Zentralregierung in einem Referendum über ihre Unabhängigkeit abgestimmt. Zwar stimmten die Wähler praktisch geschlossen für die Abspaltung, doch ist ungewiss, was daraus folgt. Bagdad hat mit einer militärischen Intervention gedroht und Verhandlungen auf Grundlage des Referendums abgelehnt.

Die Türkei, die ebenfalls die Gründung eines unabhängigen Kurdenstaats an ihrer Grenze strikt ablehnt, drohte mit einer Handelsblockade. Die Kurden sind für die Ausfuhr ihres Erdöls auf eine Pipeline durch die Türkei angewiesen. Auch ein Großteil des Handels verläuft über das Nachbarland. Bisher hat Ankara den Grenzübergang Habur offen gelassen.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim verkündete am Freitagnachmittag im Fernsehen, dass die Flugstreichungen in Erbil und Suleimanija auch Verbindungen aus der und in die Türkei beträfen. Sollte es notwendig sein, könnte die Türkei aber noch Flugzeuge entsenden, um türkische Staatsbürger aus der Region auszufliegen.