UN-Vertreter rechnen für Donnerstag mit Besuch in Myanmars Konfliktregion

Abgebrannte Häuser in Rakhine

Vertreter der Vereinten Nationen können sich voraussichtlich am Donnerstag ein Bild von der Lage in Myanmars Konfliktregion Rakhine machen. Es werde ein von der Regierung organisierter Besuch stattfinden, sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric am Mittwoch in New York. Journalisten konnten am Mittwoch ein hinduistisches Dorf in Myanmar besuchen, in dem Massengräber entdeckt wurden.

Laut UN-Sprecher Dujarric sollen Vertreter verschiedener UN-Organisationen an dem Besuch in Rakhine teilnehmen. Dieser werde wahrscheinlich am Donnerstag stattfinden. "Wir hoffen vor allem, dass dies ein Schritt in Richtung eines viel freieren Zugangs in das Gebiet ist", sagte Dujarric.

UN-Hilfsorganisationen hatten die Region nach dem Beginn der Militäreinsätze gegen die muslimische Minderheit der Rohingya verlassen müssen. Die Vereinten Nationen bezeichneten die Übergriffe gegen die Rohingya als "ethnische Säuberungen" und verlangten seit Ende August vergeblich Zugang zu der weitgehend abgeriegelten Region.

Der geplante Besuch hochrangiger UN-Vertreter in der Konfliktregion soll am selben Tag stattfinden wie neue Beratungen des UN-Sicherheitsrats zur Gewalt in Myanmar. Bei der öffentlichen Sitzung in New York soll UN-Generalsekretär Antonio Guterres über die Situation in Rakhine informieren. Er hatte als UN-Flüchtlingskommissar die Krisenregion mehrfach besucht.

Am 13. September hatte der UN-Sicherheitsrat Myanmar zu "unverzüglichen Maßnahmen" aufgefordert, um die "übermäßige Gewalt" des Militärs an den Rohingya zu unterbinden und Hilfsorganisationen den Zugang zu den Notleidenden in Rakhine zu ermöglichen.

Der Konflikt in Myanmar war Ende August eskaliert, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und dutzende Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit brutaler Gegengewalt. Hunderte Menschen wurden umgebracht, ihre Häuser niedergebrannt. Rund 480.000 Rohingya flohen seitdem in das Nachbarland Bangladesch, 300.000 weitere lebten bereits zuvor dort. Die Rohingya gehören zu den am stärksten verfolgten Minderheiten weltweit. Die Muslime in dem mehrheitlich buddhistischen Myanmar sind seit Jahren Repressionen ausgesetzt.

Am Mittwoch ließ das Militär Journalisten für einige Stunden in das hinduistische Dorf Ye Baw Kyaw hinein, wo die Behörden Ermittlungen zu Massengräbern vornehmen. Bislang wurden nach Angaben der Regierung 52 Leichen gefunden. Die Armee ist davon überzeugt, dass Ende August in dem Dorf von Rohingya-Rebellen getötet wurden. Die Rohingya-Gruppe Arakan Rohingya Salvation Army (Arsa) wies die Vorwürfe am Mittwochabend vehement zurück.