Lebenslang Gefängnis für bosnisch-serbischen Militärchef Mladic

Mladic 1994 und heute

Mit der Verurteilung des ehemaligen bosnisch-serbischen Militärchefs Ratko Mladic zu lebenslanger Haft sind die Rufe nach Versöhnung in der von Bürgerkriegen zerrütteten Region wieder lauter geworden. EU, Nato und der serbische Präsident verwiesen nach dem Urteil des Haager UN-Kriegsverbrechertribunals für Ex-Jugoslawien vom Mittwoch auf die Bedeutung einer friedlichen Zukunft. International wurde die Verurteilung des 74-Jährigen wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begrüßt.

Das UN-Tribunal für Ex-Jugoslawien verurteilte Mladic wegen seiner Verbrechen während des Bosnienkrieges (1992-1995), in dessen Verlauf rund 100.000 Menschen getötet und 2,2 Millionen in die Flucht getrieben wurden. In zehn von elf Anklagepunkten wurde er für schuldig befunden. Den Tatbestand des Völkermordes sah das Gericht wegen Mladics Verantwortung für das Massaker von Srebrenica von 1995 erfüllt.

Der Vorsitzende Richter Alphons Orie sprach von den "abscheulichsten Verbrechen", die überhaupt verübt werden könnten. Das historische Urteil gegen den "Schlächter von Bosnien" war das letzte Urteil des Gerichts, das Ende Dezember seine Arbeit einstellt.

Mladic kündigte an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. "Dieses Urteil ist ungerecht und widerspricht den Tatsachen", sagte sein Sohn Darko in Den Haag. Der Präsident der serbischen Teilrepublik Srpska in Bosnien, Milorad Dodik, erklärte, das Urteil werde die "Meinung des serbischen Volkes, wonach General Mladic ein historischer Held und Patriot ist", nur noch verstärken. Der serbische Ultranationalist Vojislav Seselj nannte das Gericht "illegal und antiserbisch".

Kurz vor dem Urteilsspruch war Mladic wegen seiner Zwischenrufe aus dem Gerichtssaal gebracht worden. "Sie lügen", schrie der 74-Jährige während der Urteilsverlesung an Orie gewandt. Der Richter ließ den Angeklagten daraufhin aus dem Saal bringen. Mladic verfolgte seinen Schuldspruch in einem Nebenraum.

Mladic war im Mai 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien verhaftet und an den Haager Strafgerichtshof überstellt worden. Der Prozess in Den Haag mit fast 600 Zeugen dauerte 523 Tage.

Die Vereinten Nationen in Genf würdigten das Urteil als "großen Sieg für die Gerechtigkeit". Der Chefankläger Serge Brammertz sprach in einer ersten Reaktion von einem "wichtigen Schritt" für die internationale Justiz.

Auch die Bundesregierung begrüßte das Urteil. Der Richterspruch sei ein "wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der grausamen Verbrechen, die in den 1990er Jahren im ehemaligen Jugoslawien verübt wurden", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin.

Die EU rief die Balkanländer zu Versöhnung auf. Das Urteil habe "einige der dunkelsten und tragischsten Ereignisse" in der neueren Geschichte Europas in Erinnerung gerufen. Er hoffe, dass der Richterspruch die Region "weiter auf den Weg des Friedens und der Versöhnung" bringe, erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Der serbische Präsident Aleksandar Vucic forderte seine Landsleute auf, nach dem Urteil "in die Zukunft zu blicken" und "an unsere Kinder, den Frieden und die Stabilität der Region zu denken".

Der Opferverband Mütter von Srebrenica nannte das Urteil "teilweise zufriedenstellend". Mladic habe "mehr" bekommen als der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic, der in Den Haag zu 40 Jahren Haft verurteilt worden war, sagte die Vorsitzende Munira Subasic. Sie verwies allerdings darauf, dass Mladic allein wegen des Massakers von Srebrenica, nicht aber wegen seiner Verbrechen in bosnischen Dörfern des Völkermordes schuldig gesprochen wurde.

Im Juli 1995 hatten bosnisch-serbische Einheiten die UN-Schutzzone Srebrenica angegriffen und 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Verurteilt wurde Mladic auch wegen der 44-monatigen Belagerung von Sarajevo ab Mai 1992, bei der nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen etwa 10.000 Menschen getötet wurden.