UN: Weiter Probleme bei russischem Teil des Getreideabkommens

NEW YORK/MOSKAU/KIEW (dpa-AFX) - Die Vereinten Nationen haben teilweise Probleme bei der Umsetzung des Ende Juli zwischen Russland und der Ukraine geschlossenen Getreideabkommens eingeräumt. Während die Ausfuhr von Nahrungsmitteln aus der Ukraine über einen Korridor im Schwarzen Meer deutlich an Fahrt aufgenommen habe, stocke vor allem der Export russischer Dünger. "In vielen Bereichen haben wir wichtige Fortschritte erzielt. Aber es gibt noch Probleme in diesen drei Bereichen: Versicherung, Finanzierung und dann in der Verschiffung", sagte die UN-Beauftragte Rebeca Grynspan am Dienstag bei einer virtuellen Pressekonferenz in New York.

Dies liege vor allem an Unsicherheit in der privaten Wirtschaft, dass eine Ausfuhr vermeintlich europäische Sanktionen gegen Russland verletzten könnte - dies habe zu Zurückhaltung geführt. Der Dünger müsse aber dringend in zum Beispiel afrikanische Länder transportiert werden können, um künftige Ernten dort nicht zu gefährden.

Russland und die Ukraine hatten am 22. Juli mit den Vereinten Nationen und der Türkei eine Lösung für die Ausfuhr von Millionen Tonnen Getreide aus dem Kriegsland Ukraine gefunden. Zeitgleich wurde eine Vereinbarung mit Russland über die Erleichterung der Ausfuhren von Getreide und Dünger unterzeichnet. Die beiden Abkommen sind formal eigenständig, werden aber als komplementär gesehen.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte vergangene Woche damit gedroht, die Vereinbarung angesichts der eingeschränkten russischen Ausfuhren wieder platzen zu lassen. Moskau sei "grob abgezockt" worden. Amir Abdulla, der UN-Koordinator für die Ausfuhr des ukrainischen Getreides, zeigte sich dennoch optimistisch, dass Russland das Abkommen über die zunächst anvisierten vier Monate hinaus verlängern werde. Es gebe diesbezüglich "keine deutlichen Anzeichen für Besorgnis".

Unterdessen gebe es einen deutlichen Anstieg der Schiffslieferungen aus dem Kriegsland. Mittlerweile seien fast drei Millionen Tonnen Getreide über das Schwarze Meer exportiert worden. Ein Problem sei aber weiterhin, dass die Preise für Nahrung in den Ländern, die von Hungersnöten bedroht seien, nicht sinken würden "so wie wir es uns gewünscht haben". Grund dafür seien unter anderem die lokale Inflation und Zinserhöhungen.