UN-Koordinator kritisiert Bangladeschs Plan für riesiges Flüchtlingscamp

Rohingya fliehen aus Myanmar

Ein ranghoher UN-Vertreter hat Bangladeschs Pläne zum Bau des weltweit größten Flüchtlingslagers für Angehörige der Rohingya-Minderheit kritisiert. Ein derartiges Riesencamp erhöhe die Gefahr ansteckender Krankheiten, sagte der Koordinator der Vereinten Nationen in Bangladesch, Robert Watkins, am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Auch das Risiko von Bränden sei höher. In mehreren kleineren Lagern ließen sich Gesundheits- und Sicherheitsprobleme wesentlich leichter bewältigen.

Bangladeschs Regierung will das bereits bestehende Flüchtlingscamp in Kutupalong nahe der Grenzstadt Cox's Bazar für eine Kapazität von gut 800.000 Flüchtlingen ausbauen. Das Lager wäre dann mehr als doppelt so groß wie die Camps Bidi Bidi in Uganda und Dadaab in Kenia, in denen jeweils etwa 300.000 Flüchtlinge untergebracht sind.

Vor der geplanten Erweiterung des Camps in Bangladesch auf einer Fläche von 1200 Hektar Land leben in dem Gebiet laut Watkins bereits geschätzt 331.000 Rohingya in behelfsmäßigen Notunterkünften. Nach Angaben bangladeschischer Behörden überquerten in der zurückliegenden Woche täglich 4000 bis 5000 Flüchtlinge die Grenze. Watkins zufolge ist das eine "sehr große Herausforderung" für die Hilfsorganisationen.

Der Konflikt in Myanmar war Ende August eskaliert, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und dutzende Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit brutaler Gegengewalt. Hunderte Menschen wurden umgebracht, ihre Häuser niedergebrannt. Die Rohingya gehören zu den am stärksten verfolgten Minderheiten weltweit. Die Muslime in dem mehrheitlich buddhistischen Myanmar sind seit Jahrzehnten Repressionen ausgesetzt.