UN-Gericht hebt Freispruch für serbischen Nationalisten Seselj auf

Ein UN-Gericht in Den Haag hat den Freispruch für den serbischen Ultranationalisten Vojislav Seselj aufgehoben und ihn in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft verurteilt - allerdings hat er die Strafe bereits verbüßt und bleibt somit ein freier Mann. Die UN-Richter verurteilten den 63-Jährigen am Mittwoch in einem Berufungsverfahren in Abwesenheit wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" während der Balkankriege in den 90er Jahren.

Im April 2016 hatte der Chefankläger des damaligen UN-Tribunals für das ehemalige Jugoslawien, Serge Brammertz, gegen den einen Monat zuvor erfolgten Freispruch aus Mangel an Beweisen Berufung eingelegt. Die Entscheidung am Mittwoch wurde nun vom Rechtsnachfolger des inzwischen aufgelösten Tribunals gefällt.

Seselj, dem ehemaligen "Chefpropagandisten von Groß-Serbien", waren neben Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit auch Zwangsvertreibung und Folter vorgeworfen worden. Er hatte sich 2003 dem UN-Tribunal gestellt, das er aber nie anerkannte. 2014 wurde er aus Gesundheitsgründen aus der Haft entlassen. Zwei Jahre später erfolgte dann in erster Instanz der Freispruch.