UN-Generalsekretär warnt vor humanitärer Katastrophe in Myanmar

Angesichts eskalierender Kämpfe zwischen Armee und Rebellen im Westen von Myanmar hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres vor einer humanitären Katastrophe gewarnt. Wegen der Gewalt in der Region stellte das Welternährungsprogramm seine Hilfe ein

Angesichts eskalierender Kämpfe zwischen Armee und Rebellen im Westen von Myanmar hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres vor einer humanitären Katastrophe gewarnt. Nach dem Tod von fast 400 Menschen binnen einer Woche rief Guterres die Sicherheitskräfte des Landes zur Zurückhaltung auf. Wegen der Gewalt in der Region stellte das Welternährungsprogramm (WFP) am Samstag seine Hilfe für den Bundesstaat Rakhine vorerst ein. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht.

Guterres zeigte sich "zutiefst besorgt über Berichte von Exzessen" bei Einsätzen von Sicherheitskräften des südostasiatischen Landes in Rakhine. Die Armee hatte zuvor mitgeteilt, bei Kämpfen seien innerhalb einer Woche 370 "Terroristen" der muslimischen Minderheit der Rohingya getötet worden. Zudem seien 15 Sicherheitskräfte und 14 Zivilisten getötet worden.

Berichte von Flüchtlingen aus der Region deuten darauf hin, dass die tatsächliche Opferzahl wesentlich höher liegt. Das Gebiet ist für Reporter verboten, doch gibt es Zeugenberichte über Massentötungen durch beide Konfliktparteien und niedergebrannte Dörfer.

Das Welternährungsprogramm erklärte am Samstag, wegen der unsicheren Lage in der Region könne es vorerst keine Nahrungsmittellieferungen mehr verteilen. Betroffen seien rund 250.000 Flüchtlinge. Die Behörden des Landes verdächtigen Hilfsorganisationen immer wieder, auf der Seite der Rohingya-Rebellen zu stehen.

Der Konflikt in Myanmars westlichem Bundesstaat Rakhine war vor einer Woche erneut eskaliert, nachdem Rohingya-Rebellen Polizei- und Armeeposten im Norden der Provinz angegriffen hatten. Nach Angaben der UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR flohen seither fast 60.000 Menschen aus Rakhine ins benachbarte Bangladesch. Dutzende Menschen ertranken in einem Grenzfluss, tausende sitzen an der Grenze fest.

Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in Myanmar betrachten die muslimischen Rohingya als illegale, staatenlose Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele von ihnen schon seit Generationen in Myanmar leben. Die in bitterer Armut lebenden Muslime gelten als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt.