Geberländer sagen mehr als zwei Milliarden Dollar für Bürgerkriegsland Jemen zu

Angesichts der Zuspitzung im Syrien-Konflikt hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres eindringlich vor einem Kontrollverlust gewarnt

Bei ihrer Geberkonferenz für die Menschen im Bürgerkriegsland Jemen haben die Vereinten Nationen Hilfszusagen in Höhe von mehr als zwei Milliarden Dollar erhalten. Es handele sich um einen "bemerkenswerten Erfolg der internationalen Solidarität", sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres am Dienstag in Genf. Mehrere Länder hätten "bereits angekündigt, dass es weitere Spenden zwischen heute und Ende des Jahres geben werde".

Um im laufenden Jahr etwa 13 Millionen Menschen helfen zu können, hatten die Vereinten Nationen vor Beginn der Konferenz einen Bedarf von 2,96 Milliarden Dollar (etwa 2,4 Millionen Euro) veranschlagt. "Jemen erlebt die weltweit schlimmste humanitäre Krise", sagte Guterres vor Bekanntgabe der einzelnen Hilfszusagen. Im Anschluss zeigte sich Guterres "optimistisch", dass der Bedarf gedeckt werde.

Mit rund einer Milliarde Dollar soll ein Großteil des Geldes von Saudi-Arabien sowie von den Vereinigten Arabischen Emiraten kommen. Saudi-Arabien spielt in dem Bürgerkrieg eine maßgebliche Rolle und wurde wiederholt wegen der Behinderung von Hilfstransporten kritisiert. "Wir wissen alle, wer die Kriegsparteien sind", sagte Guterres. Dennoch müsse zwischen militärischem und humanitärem Handeln unterschieden werden.

"Geber-Regierungen - insbesondere diejenigen, die in den Krieg involviert sind - dürfen ihre Zusagen nicht für politische Einflussnahme im Land nutzen", mahnte die medizinische Geschäftsführerin der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, Mercedes Tatay. Zuteilungen sollten sich allein am Bedarf der Menschen orientieren. Tatay kritisierte, dass Geld allein nichts daran ändere, dass viele Menschen im Jemen von humanitärer Hilfe abgeschnitten seien.

Die EU kündigte an, für dieses Jahr 107,5 Millionen Euro bereit zu stellen. 37 Millionen davon soll laut EU-Kommission für Nothilfe unter anderem bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Unterkünften dienen. Weitere 66 Millionen Euro sollen zur längerfristigen Verbesserung der Lebensumstände der Bevölkerung eingesetzt werden.

Guterres berichtete zudem von "positiven Signalen", die Anlass gäben, einen Plan zur Vorbereitung eines Dialogs zwischen den Kriegsparteien im Jemen voranzutreiben. Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Martin Griffiths, hatte kürzlich politische Vertreter in Riad und Sanaa getroffen, um neue Gespräche für eine politische Lösung des Konflikts anzustoßen.

Vom Iran unterstützte Huthi-Rebellen hatten die jemenitische Hauptstadt Sanaa im September 2014 erobert und Anfang 2015 den von Saudi-Arabien unterstützten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi gestürzt. Vor drei Jahren griff dann eine von Riad angeführte Militärkoalition in den Konflikt ein.

Seit Beginn der Intervention wurden rund 10.000 Menschen getötet. 8,4 Millionen Menschen sind nach UN-Angaben von Hunger bedroht. Außerdem herrscht im Jemen eine Cholera-Epidemie. Auch vor Kindern macht der Krieg nicht halt: Erst am Montag starben mehrere Kinder bei einem Luftangriff auf die von Huthi gehaltene Hafenstadt Hodeida.

Guterres forderte die von Saudi-Arabien geführte Koalition auf, die blockierten Häfen des Landes für Hilfslieferungen zu öffnen. Riad hatte im vergangenen Jahr die Blockade verhängt, nachdem eine von Huthi-Rebellen abgefeuerte Rakete nahe der Hauptstadt des saudiarabischen Königreichs abgefangen worden war.