UN-Generalsekretär fordert gerechte Verteilung des Corona-Impfstoffs

Marc MUDRAK
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UN-Generalsekretär Guterres (l.) und Bundesaußenminister Maas

UN-Generalsekretär António Guterres hat mit eindringlichen Worten zu einer gerechten Verteilung des Corona-Impfstoffs in der Welt aufgerufen. "Wir müssen sicherstellen, dass dieser Impfstoff bezahlbar und verfügbar ist für jeden und alle überall", sagte Guterres zu Beginn seines Deutschland-Besuchs am Donnerstag. Nötig dafür sei eine "effiziente Unterstützung" der Entwicklungsländer. Andernfalls drohe auch der Kampf gegen die Pandemie in den Industriestaaten zu scheitern, warnte Guterres.

"Wir werden Covid nicht durch Nationalismus bekämpfen, sondern durch internationale Zusammenarbeit", betonte Guterres nach einem Gespräch mit Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) in Berlin. Stattdessen rief der UN-Generalsekretär zu mehr Anstrengungen bei der Finanzierung der internationalen Covax-Initiative auf. Bei dieser bestehe weiterhin eine Finanzierungslücke über fünf Milliarden Dollar bis Ende Januar, sagte Guterres. Es fehlten zudem weitere 20 Milliarden Dollar, die im Zusammenhang mit dem Programm noch "erforderlich" seien.

Mit der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufenen Covax-Initiative sollen alle Länder der Welt zügig Zugang zu Impfstoffen erhalten. Zugleich hätten manche Staaten mehr Impfstoffe gekauft, als sie zur Versorgung ihrer eigenen Bevölkerung benötigten, sagte Guterres. Er bezeichnete es als "sehr wichtig", dass diese Staaten die zusätzlichen Impfstoffe der Covax-Plattform zur Verfügung stellen. Die Mittel könnten dann den Entwicklungsländern zur Verfügung stellen.

"Wenn wir das nicht schaffen, dann scheitern wir vielleicht auch in den Industrienationen", sagte Guterres. Wenn die Krankheit nicht "ausgemerzt" werde, könne das Virus mutieren - dann seien Impfstoffe möglicherweise "plötzlich nicht mehr wirksam". "Die Natur schlägt immer zurück", warnte Guterres.

Nach Ansicht von Guterres ist es auch wichtig, die Skepsis in Teilen der Bevölkerung vor einer Impfung zu reduzieren. "Die Impfungen werden nicht verpflichtend sein. Und wir wissen, dass in sozialen Medien eine große Kampagne läuft, um die Menschen von einer Impfung abzuschrecken", sagte der UN-Generalsekretär dem Portal "Zeit Online".

Guterres, der am Freitag anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Vereinten Nationen auch im Deutschen Bundestag sprechen will, dankte der Bundesrepublik für deren Einsatz für Multilateralismus. Deutschland sei ein "verlässlicher, großzügiger und sehr vorbildlicher Partner in diesen schwierigen, herausfordernden Zeiten".

Deutschland scheidet zum Jahresende nach zwei Jahren als nichtständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wieder aus dem Gremium aus. Außenminister Maas sagte, das multilaterale System sei in dieser Zeit "von verschiedenen Seiten unter Druck gesetzt" worden. "In diesen manchmal sehr eisigen Zeiten haben wir Multilateralismus so gut es geht überwintert. Wir werden alles daran setzen, dass dem alsbald ein neuer Frühling nachfolgt."

Die Grünen forderten die Bundesregierung derweil auf, Guterres' Mahnungen zu einer gerechten Verteilung des Corona-Impfstoffs Gehör zu schenken. "Denn mit einem nationalen Alleingang bei der Impfstoffverteilung werden wir die Pandemie nicht erfolgreich bekämpfen", erklärten die Grünen-Politiker Anton Hofreiter und Claudia Roth. "Für eine koordinierte und solidarische Zusammenarbeit braucht es starke Vereinte Nationen, allen voran eine schlagkräftige und finanziell unabhängige Weltgesundheitsorganisation."

Die Bundesregierung solle endlich international für eine gerechte globale Verteilung der Impfstoffe werben, forderten Hofreiter und Roth. Für ärmere Länder müssten kostengünstige Lizenzen zur Verfügung gestellt werden. Der Zugang zu Impfstoffen dürfe nicht an der "Kaufkraft armer Länder scheitern".

muk/ck