UN-Expertengremium fordert robustere Gegenwehr von Blauhelmen bei Angriffen

Beisetzung von getötetem Blauhelmsoldaten in Tansania

Die Blauhelmsoldaten der Vereinten Nationen sollen sich angesichts zunehmender Angriffe verstärkt mit Gewalt zur Wehr setzen: Zu diesem Schluss kommt ein Expertengutachten, das die UNO am Montag in New York vorlegte. Mit den Empfehlungen reagierte das Fachleutegremium unter Führung eines früheren UN-Kommandeurs auf die deutlich gestiegene Zahl der Einsatztoten in den vergangenen Jahren. UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte die Empfehlungen bereits im Dezember entgegengenommen.

Die UNO müsse eine "neue Realität akzeptieren", heißt es darin. "Die blauen Helme und die Flagge der UNO gewähren keinen 'natürlichen' Schutz mehr", schreiben die Experten. "Feindliche Kräfte verstehen leider nichts anderes als die Sprache der Gewalt." Um Angriffe abzuwehren, "muss die UNO stark sein, und sie darf nicht den Einsatz von Gewalt fürchten, wenn es nötig ist".

In den vergangenen fünf Jahren wurden 195 UN-Mitarbeiter bei Friedenseinsätzen durch gewaltsame Übergriffe getötet. Dies war die höchste Opferzahl in einer Fünf-Jahres-Periode seit Gründung der UNO. Allein im vergangenen Jahr lag die Zahl der Getöteten bei 56.

"Diese Zahlen übersteigen jedes annehmbare Maß an Risiko", heißt es in dem Bericht. "Es muss etwas unternommen werden, um diesen Trend umzukehren."

Die Autoren schlagen ein verbessertes Training der Blauhelme vor dem Einsatz in Krisenregionen vor. Hier gebe es noch Mängel, die ein Grund für die hohe Opferzahl seien. Zudem sei eine verbesserte Schutzausstattung nötig - etwa mit mehr gepanzerten Fahrzeugen und Nachtsichtgeräten. Die Experten fordern zudem die Abberufung von UN-Vertretern und Truppeneinheiten, die den Anforderungen ihres Mandats nicht gewachsen seien.

Zu oft verharrten UN-Blauhelme in einer "defensiven Haltung", kritisierten sie. Sie müssten öfter die Initiative ergreifen, um Bedrohungen "zu neutralisieren und zu eliminieren".

Erstellt wurde der Bericht unter Führung des brasilianischen Generalleutnant Carlos Alberto dos Santos Cruz, der UN-Einsätze in Haiti und der Demokratischen Republik Kongo befehligt hatte.