UN: Corona macht 'Giftcocktail' in Westafrika noch schlimmer

GENF (dpa-AFX) - In Westafrika droht durch die Ausbreitung des Coronavirus eine Hungerkrise. Das Welternährungsprogramm (WFP) befürchtet, dass die Anzahl der Menschen, die sich ohne Hilfe nicht ausreichend ernähren können, sich zwischen Juni und August von gut 21 Millionen auf 43 Millionen verdoppeln könnte. Die Zahl der deutlich unterernährten Kinder unter fünf Jahren könne von 8,2 Millionen in diesem Zeitraum des Vorjahres auf zwölf Millionen steigen, sagte WFP-Sprecherin Elisabeth Byrs am Dienstag in Genf.

Weltweit dürft die Zahl der Menschen, die Hilfe bei der Ernährung brauchen, nach früheren WFP-Prognosen von 130 Millionen 2019 auf 265 Millionen in diesem Jahr steigen.

Zu Westafrika sagte Byers, viele Menschen, die von der Hand in den Mund lebten, hätten wegen der Einschränkungen durch Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus ihre Arbeit verloren. Essensvorräte seien vor der nächsten Erntesaison im September bald aufgebraucht, viele Märkte funktionierten nur noch sporadisch und der Nachschub sei wegen Einschränkung der Bewegungsfreiheit nicht gesichert.

Byrs warnte vor den Konsequenzen: "Covid-19 droht, ein weiterer Bestandteil des Giftcocktails zu werden, der mit bewaffneten Konflikten, Vertreibungen und Folgen des Klimawandels bereits zu größerem Hunger und mehr Mangelernährung in Westafrika geführt hat." Wenn die Menschen im Stich gelassen würden, heize das Unruhen in einer Region an, in der sich bereits gewalttätiger Extremismus breit gemacht habe. Das WFP brauche zusätzlich 574 Millionen Dollar (530 Mio Euro), um die Menschen in Westafrika zu versorgen.