UN-Chef zur Klimakrise: 'Welt brennt und ertrinkt vor unseren Augen'

SCHARM EL SCHEICH (dpa-AFX) -Mit einem leidenschaftlichen Appell hat UN-Generalsekretär António Guterres die reichen Industriestaaten aufgefordert, ärmere Länder in der Klimakrise stärker zu unterstützen. Nötig sei eine ehrgeizige und glaubwürdige Vereinbarung über Ausgleichszahlungen für deren Klimaschäden, sagte er am Donnerstag auf der Weltklimakonferenz in Ägypten. "Die Zeit des Redens über Verluste und Schäden ist vorbei. Es muss gehandelt werden." Keiner könne das Ausmaß der Krise rund um den Globus leugnen. "Die Welt brennt und ertrinkt vor unseren Augen."

Mit Blick auf die zähen Verhandlungen der etwa 200 Staaten in Scharm el Scheich, die am Freitag enden sollen, sagte Guterres, es gebe einen Vertrauensverlust zwischen Nord und Süd, zwischen entwickelten Wirtschaftsmächten sowie Schwellen- und Entwicklungsländern. "Aber dies ist nicht die Zeit, um mit dem Finger auf andere zu zeigen", sagte er - es gehe schließlich um die größte Herausforderung der Menschheit. "Die Welt schaut zu und hat eine simple Botschaft: Macht weiter und liefert."

Guterres forderte auch mehr Ehrgeiz beim Senken der klimaschädlichen Treibhausgase. Es gehe nicht darum, dass 1,5-Grad-Ziel am Leben zu erhalten, sondern Menschen das Überleben zu sichern. Zur klimaschädlichen Verbrennung von Öl, Gas und Kohle sagte er: "Die Expansion fossiler Energien nimmt die Menschheit als Geisel." Nur erneuerbare Energien seien "die Ausfahrt vom Highway zur Klimahölle".

Mit teils scharfer Kritik hatten zuvor Umweltorganisationen und Dutzende Regierungsvertreter auf Eckpunkte für die Abschlusserklärung des UN-Klimagipfels in Ägypten reagiert. In dem 20-seitigen Papier mit vielen ungeklärten Streitfragen wird zwar ein schrittweiser Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohle eingefordert - aber nicht der Abschied von Öl und Gas. Ungelöst blieb am Donnerstag auf der COP27 auch die Streitfrage, ob arme Staaten von den Industriestaaten Ausgleichszahlungen bekommen für unabwendbare Klima-Schäden - etwa nach Dürren, Überschwemmungen und Stürmen.