UN-Bericht: Täglich sterben 15.000 kleine Kinder an vermeidbaren Krankheiten

Unterernährter Säugling in Indien

Leiden wie Durchfall oder Lungenentzündung lassen sich gut behandeln - dennoch kosten solche vermeidbaren Krankheiten weltweit immer noch täglich 15.000 Kinder unter fünf Jahren das Leben. Dies bedeute bis zum Jahr 2030 mehr als 60 Millionen Todesfälle in dieser Altersgruppe, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten UN-Bericht. Die Autoren riefen dutzende Länder insbesondere in Afrika auf, die Gesundheitsversorgung kleiner Kinder zu verbessern.

Das UN-Kinderhilfswerks Unicef, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Weltbank legten in ihrem gemeinsamen Bericht dar, dass die Zahl der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren dank besserer Gesundheitsversorgung in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen sei - von 12,6 Millionen im Jahr 1990 auf geschätzt 5,6 Millionen im vergangenen Jahr. Statt 35.000 täglich stürben damit nun noch 15.000 kleine Kinder pro Tag. Diese Zahl sei jedoch weiterhin "nicht hinnehmbar hoch", erklärten die Organisationen.

Sie verwiesen auf die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung. Vorgesehen ist unter anderem, dass die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren von derzeit 41 auf 25 pro 1000 Geburten gesenkt wird. Etwa 50 Länder, insbesondere in Afrika, hinkten aber bei ihren Bemühungen um Verbesserungen bei der Gesundheitsversorgung hinterher, bemängelten Unicef, WHO und Weltbank. Dies müsse sich dringend ändern.

In dem Bericht wird zudem auf einen gestiegenen Anteil von Neugeborenen bei der Kinder-Sterblichkeitsrate hingewiesen. Dies liege daran, dass die Versorgung von Kindern im ersten Lebensmonat sich zuletzt langsamer verbessert habe als bei Kindern zwischen einem Monat und fünf Jahren.

Häufigste vermeidbare Todesursachen sind dem Bericht zufolge Lungenentzündungen, Durchfallerkrankungen und Malaria. Bei der Hälfte der Todesfälle spiele zudem Unterernährung eine Rolle, da sie das Immunsystem schwäche. Als weitere Faktoren wurden schmutziges Wasser und schlechte Hygiene genannt.

80 Prozent der Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren konzentrieren sich dem Bericht zufolge auf die afrikanischen Länder südlich der Sahara. Dort lag im vergangenen Jahr die Sterblichkeitsrate in dieser Altersgruppe bei durchschnittlich 79 Todesfällen pro 1000 Geburten. Die höchste absolute Zahl an Todesopfern hat das bevölkerungsreiche Schwellenland Indien mit 850.000 vor Nigeria mit 450.000.

Der UN-Bericht weist auch auf Geschlechtsunterschiede bei den Sterblichkeitsraten in manchen Ländern hin: In einigen Ländern vor allem in Süd- und Westasien sterben demnach mehr Mädchen vor dem fünften Lebensjahr als im Rest der Welt. In manchen asiatischen Ländern wird männlicher Nachwuchs von den Eltern klar bevorzugt. Weibliche Föten werden gezielt abgetrieben, Jungen bei der Zuteilung von medizinischer Behandlung und Nahrung bevorzugt.

Die Hilfsorganisation Save the Children forderte Deutschland zu einem entschiedenen Kampf gegen die hohe Kindersterblichkeit in ärmeren Teilen der Welt auf. Die neue Bundesregierung müsse die "allgemeine Gesundheitsversorgung für jedes Kind und jede Mutter zur Priorität ihrer globalen Gesundheitspolitik machen", erklärte die Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland, Susanna Krüger, am Donnerstag in Berlin.