Umweltvorteil von Tempo 100 in den Niederlanden teils fraglich

HAARLEM (dpa-AFX) - Das in den Niederlanden zum Klimaschutz eingeführte Tempolimit 100 auf Autobahnen bringt nach einem Gerichtsurteil doch nicht so viele Vorteile für die Umwelt, wie zunächst kalkuliert. Dadurch werden schon erteilte Baugenehmigungen für über 33 000 Wohnungen möglicherweise hinfällig, wie die Zeitung "De Volkskrant" am Mittwoch berichtete. Mit dem Tempolimit nämlich wollte die Regierung den verkehrsbedingten Ausstoß von Stickoxiden reduzieren, um im Gegenzug weitere Wohngebiete bauen zu können, die ihrerseits eine Stickoxid-Belastung darstellen. Dieser Ausgleich ist nun aber hinfällig, wie aus einem Urteil des Gerichts in Haarlem hervorgeht.

Untersuchungen im Auftrag des Umweltministeriums ergaben, dass die vor zwei Jahren eingeführte Temposenkung auf niederländischen Autobahnen von 130 oder 120 auf 100 Kilometer pro Stunde das Verkehrsverhalten verändert hat. Weil sie auf der Autobahn nicht mehr flott vorwärtskommen, entscheiden Autofahrer sich häufiger für die Fahrt über Landstraßen, die teils an sensiblen Naturschutzgebieten liegen. Diese Zusatzbelastung der Naturgebiete hätten die Niederlande an anderer Stelle kompensieren müssen, um EU-Grenzwerte für den Ausstoß von Stickoxid einzuhalten. Da dies nicht erfolgte, stehen die Baugenehmigungen für 134 Neubaugebiete im Land in Frage.

Das Ministerium habe den durch das Tempolimit mutmaßlich erzielten Rückgang an Luftverschmutzung bereits aus der nationalen Stickoxid-Datenbank entfernt, schrieb "De Volkskrant". Provinzen, die neue Wohngebiete planten, müssten nun auf anderem Wege für einen Stickoxid-Ausgleich sorgen. Beispielsweise können sie Landwirte zur Aufgabe der Tierhaltung veranlassen und sie entschädigen.

Weil die Niederlande seit langem Grenzwerte für den Stickoxidausstoß überschreiten, hatte die Regierung drastische Maßnahmen wie das Tempolimit getroffen. Für die Niederlande als dicht besiedeltes Land ist das Einhalten der Grenzwerte schwierig, weil sie nur über wenig natürliche Ausgleichsflächen oder größere Naturschutzgebiete verfügen, in denen Stickoxid abgebaut wird.

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