Umwelthilfe: Software-Nachrüstung bei Diesel-Pkw würde Abgasbelastung nur minimal senken

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hält freiwillige Software-Updates zur Verringerung der Stickoxid-Emissionen bei Dieselautos für nahezu wirkungslos. "Wir gehen von deutlich weniger als fünf Prozent Verbesserungspotenzial in unseren durch Dieselabgase vergifteten Städte aus", erklärte am Montag der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Die Umwelthilfe werde alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um diese "illegalen Placebo-Software-Updates zu stoppen", kündigte er an. Er forderte stattdessen, die Hersteller zu umfangreichen technischen Nachrüstungen von Diesel-Pkw zu verpflichten.

Das Stuttgarter Verwaltungsgericht hatte am Freitag unter Verweis auf einen Gutachter der baden-württembergischen Landesregierung darauf verwiesen, dass bei einem Software-Update mit einer Reduzierung der Stickoxidwerte um neun Prozent zu rechnen sei. Angenommen wurde dabei laut DUH, dass alle betroffenen Autobesitzer bis 2020 an einer solchen Nachrüstung teilnehmen und die Emissionen im Straßenverkehr um mindestens 50 Prozent sinken. Beide Zahlen seien deutlich zu hoch, erklärte DUH-Geschäftsführer Resch.

Denn die Industrie beziehe weniger als die Hälfte der Diesel-Pkw auf den deutschen Straßen in diese Maßnahme ein, und die Emissionen würden im Schnitt nur um 25 Prozent sinken. Dazu komme: Bei Temperaturen unter zehn Grad Celcius und damit insbesondere im gesundheitlich besonders sensiblen Winterhalbjahr dürften Diesel-Pkw so schmutzig bleiben wie bislang.

Neben technischen Nachrüstungen von Diesel-Pkw mit den Abgasgrenzwerten Euro 5 und Euro 6 fordert die DUH auch Nachrüstprogramme für leichte Nutzfahrzeuge, wie Lieferdienste und Handwerker sie nutzen. Die Industrie müsse sich verpflichten, ab Januar 2018 nur noch Diesel-Pkw mit dem Grenzwert Euro 6 zu verkaufen, der auch bei Minustemperaturen gelten müsse. Auch eine Sammelklage für Verbraucher im deutschen Recht verlangt die DUH, damit Verbraucher mehr Rechte gegenüber "betrügerischen Unternehmen" hätten.

Insgesamt legte die DUH ein Acht-Punkte-Sofortprogramm für saubere Luft vor. Die Organisation hat in mehreren Städten wegen der hohen Abgasbelastungen auf Fahrverbote geklagt.