Umweltbundesamt widerspricht Merkel: Diesel verzichtbar für Klimaschutz

Abgase aus dem Auspuff eines Diesel-Autos

Das Umweltbundesamt hat der Aussage von Politikern und Autoindustrie widersprochen, der Diesel sei als Klimaretter unverzichtbar. Denn der Vorteil, dass Diesel-Pkw weniger CO2 ausstießen als Benziner, bestehe derzeit "nur auf dem Papier", erklärte das Umweltbundesamt am Mittwoch in Dessau. SUV und hochmotorisierte Wagen würden meist mit Diesel-Motoren ausgestattet, um den Spritverbrauch in erträglichem Rahmen zu halten. Daher seien diese Fahrzeuge "mehr und mehr in den Markt gekommen", und ihr entsprechend höherer Verbrauch zehre den CO2-Vorteil auf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuletzt in der Bundestagsdebatte am Dienstag gesagt, "gegen den Diesel vorzugehen, bedeutet auch, gegen CO2-Ziele vorzugehen. Das darf nicht passieren." Dieser Ansicht sind auch die Ministerpräsidenten der Länder und die Autohersteller. Das Umweltbundesamt betonte dagegen: Der Diesel habe zwar "theoretisch" das Potenzial zum Klimaschützer - es müsse aber auch genutzt werden. Indirekt forderte die Behörde eine andere Besteuerung.

Sie verwies auf das Beispiel Niederlande, wo nur knapp 30 Prozent der neu zugelassenen Autos Dieselfahrzeuge sind - in Deutschland waren es im August knapp 38 Prozent, 2015 noch 48 Prozent. Dennoch seien in dem Jahr die durchschnittlichen CO2-Emissionen der Pkw-Flotte in den Niederlanden um 25 Gramm CO2 pro Kilometer niedriger gewesen, erklärte das Umweltbundesamt.

Noch 2004 seien die Durchschnittswerte beider Länder nahezu identisch gewesen. Grund für die unterschiedliche Entwicklung sei die Besteuerung: Die Niederlande haben laut Umweltbundesamt Kauf und Besitz der Autos stark an CO2-Emissionen ausgerichtet, auch die Dienstwagenbesteuerung. Im Nachbarland müssen demnach 20 Prozent des Neulistenpreises als geldwerter Vorteil versteuert werden - in Deutschland ein Prozent. Dazu kämen eine Anschaffungssteuer und eine höhere Kfz-Steuer.

In den Niederlanden sei daher der Anteil der Elektroautos bereits deutlich höher - im Jahr 2015 lag er im Nachbarland bei 9,7 Prozent, in Deutschland damals bei 0,7 Prozent. 2016 betrug der Anteil von E- und Hybridautos hierzulande 2,0 Prozent.