Umweltbundesamt: Kohlestrom drosseln und Kraftwerke schließen

dpa-AFX

BERLIN (dpa-AFX) - Im Jamaika-Streit über Klimaschutz und Energiepolitik hat das Umweltbundesamt einen eigenen Kompromissvorschlag vorgelegt. Die Behörde, die zum bislang noch SPD-geführten Umweltministerium gehört, schlug am Dienstag vor, "kurzfristig" mindestens fünf Gigawatt "der ältesten und ineffizientesten Braunkohlekraftwerke" stillzulegen und zusätzlich die Stromproduktion von Kohlekraftwerken, die älter als 20 Jahre sind, zu drosseln. Zugleich müssten die erneuerbaren Energien stärker ausgebaut werden, heißt es in einem Thesenpapier der Behörde.

Fünf Gigawatt weniger würde Experten zufolge bedeuten, etwa zehn Kraftwerksblöcke abzuschalten. Da die Leistungen unterschiedlich sind, kommt es für die genaue Zahl darauf an, welche Blöcke betroffen wären. Über die Reduktion des Kohlestrom in Deutschland streiten derzeit die Jamaika-Parteien CSU, CSU, FDP und Grüne in ihren Sondierungen - das Thema gilt als eines der schwierigsten.

Der Vorschlag des Umweltbundesamts (UBA) sieht vor, dass Braun- und Steinkohlekraftwerke, die älter als 20 Jahre sind, nur noch ein Strombudget von maximal 4000 sogenannten Volllaststunden pro Anlage pro Jahr produzieren dürfen. Kraftwerke laufen oft nicht auf Höchstleistung. Ein Budget von 4000 Volllaststunden bedeutet, dass ein Kraftwerk so viel Strom produzieren darf, wie in 4000 Stunden bei voller Auslastung möglich wäre. Das habe "keine nennenswerten Auswirkungen auf die Zahl der dort Beschäftigten", heißt es beim UBA.

"Beide Maßnahmen sind die kostengünstigsten und am schnellsten umsetzbaren, um bis 2020 noch eine nennenswerte Reduktion des Treibhausgasausstoßes in der Energiewirtschaft zu erzielen", schreiben die Experten. Die Maßnahmen könnten bis 2020 etwa 50 bis 65 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Emissionen einsparen und den Rückstand Deutschlands auf das selbstgesetzte Ziel, dann 40 Prozent weniger Treibhaushase als 1990 auszustoßen, größtenteils aufholen.