Umstrittenes Interview mit „Russia Today”: Kritik an Satiremagazin „Titanic”

Ein Interview von „Titanic”-Redakteur Moritz Hürtgen mit dem umstrittenen Sender „Russia Today” sorgt für Ärger. (Bild: ddp Images)

Die Aktion um die angeblichen E-Mails von Juso-Chef Kevin Kühnert schlägt nun auch international hohe Wellen. Seit bekannt ist, dass das Satiremagazin „Titanic“ hinter dem Coup steckt, den die Bild-Zeitung zur Titelgeschichte machte, reißen die Diskussionen um die Fake News nicht ab. Nun sprach „Titanic“-Redakteur Moritz Hürtgen mit dem russischen Staatssender „Russia Today“ und erntete dafür viel Kritik.

Die „Titanic“ legte noch eine Schippe drauf. Nach dem kontroversen Satire-Coup gab der leitende Redakteur Moritz Hürtgen dem Sender RT International, der vom russischen Staat finanziert wird, ein Interview. In dem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch rekapitulierte Hürtgen die Geschehnisse und Vorgehensweise seit dem 16. Februar.

Er erklärte dem Sender, wie es zu der Idee von #miomiogate kam und wie genau man bei der „Titanic“ vorgegangen sei, um die BILD glauben zu machen, Kühnert hätte sich auf einen Deal mit den Russen eingelassen. Er kommentierte die Aktion mit: „It was a good laugh“ (dt.: Es war echter Spaß) und ergänzte, das sei für sich genommen schon einiges wert.

Am Donnerstag dann veröffentlichte RT Deutsch Interview-Ausschnitte via YouTube. Darin wird klar, dass Hürtgen und die „Titanic“ die Angelegenheit weiterhin aus satirischer Perspektive betrachten. Aussagen wie „Arbeiten so sorgfältig wie BILD – nämlich gar nicht“ machen dies deutlich. Zudem bietet Hürtgen das Wissen über den Umgang mit deutschen Medien Putin „für wenige Bitcoin“ an.

Kurz nach der Veröffentlichung des Beitrags begannen die Diskussionen im Netz. Eine Frage, die sich Journalisten und Twitter-User stellten: Ist das Magazin mit dem Interview einen Schritt zu weit gegangen oder handelt es sich nach wie vor um den erlaubten Rahmen von Satire?

Vor allem von dem durch den Coup betroffenen Boulevard-Blatt, der Bild-Zeitung, kommt nun Kritik. Bild-Chefredakteur Julian Reichelt sprach sich via Twitter gegen den Auftritt des Redakteurs im russischen Fernsehen aus.


Er schrieb weiter: „…Menschen, die @RT_com betreiben und finanzieren, verachten den Geist der Satire. @BILD mag von @titanic und Huertgen betrogen worden sein. @hrtgn aber stellt sich wissentlich in den Dienst eines Regimes, das Journalisten verfolgt.“

Auch Welt-Reporter Robin Alexander verurteilte die Vorgehensweise der „Titanic“, sich im russischen Fernsehen mit der Aktion zu „brüsten“. Die Bild-Zeitung hinters Licht zu führen, wäre durchaus amüsant, doch im russischen „Staats-TV als Kronzeuge auftreten“, wäre einfach nur dumm.


Andere Kommentare klingen ähnlich und merken an, dass sich die „Titanic“ durch das Interview hat instrumentalisieren lassen. Grünen-Politiker Volker Beck verurteilte die Aktion ebenfalls.


Und sogar eingefleischte „Titanic“-Fans und Stammleser des Blattes sprechen sich dagegen aus, halten die Aktion für einen schlechten Schachzug.


Doch es gibt auch gegenteilige Meinungen und sogar Zustimmung für die Aktion im Netz. So diskutieren Twitter-User angeregt darüber, inwiefern es sich hierbei noch um Satire handelt , oder ob bereits eine politische Aktion daraus geworden ist.


Journalist Michael Förtsch vermutet, dass die „Titanic“ sich mit dem Interview ein Eigentor geschossen hat und nun der Bild-Zeitung mehr Angriffsfläche für weitere Kritik an der Geschichte gibt.



Dem Boulevard-Blatt wurde ein gefälschter Mailverkehr zugespielt, der einen angeblichen politischen Skandal belegen sollte: Der Mitgliederentscheid der SPD über eine Neuauflage der großen Koalition aus CDU und SPD sollte durch eine russische Trollfabrik derart manipuliert werden, dass schlussendlich die Nein-Stimmen überwiegen würden.

Die mögliche drastische Folge: Die SPD wäre in die Opposition gegangen und Bundeskanzlerin Merkel hätte ihr Amt abgeben müssen – Deutschland müsste demnach mit Neuwahlen oder einer von der Opposition geduldeten Minderheitsregierung durch CDU/CSU rechnen. Die Bild-Zeitung hatte unter der Schlagzeile „SPD-Schmutzkampagne“ über die angebliche Zusammenarbeit von Kühnert mit russischen Trolls berichtet.