Umstrittener Modehändler will Galeria-Filialen übernehmen: Wer ist Friedrich-Wilhelm Göbel?

Galeria wird Ende Januar bekanntgeben, welche Filialen geschlossen werden.  - Copyright: Volkmar Heinz/picture alliance via Getty Images
Galeria wird Ende Januar bekanntgeben, welche Filialen geschlossen werden. - Copyright: Volkmar Heinz/picture alliance via Getty Images

Und da ist das nächste Angebot. Während der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) im Schutzschirmverfahren seine Insolvenz abwickelt und bis Ende Januar eine Liste der Häuser vorlegen will, die geschlossen werden sollen, tritt ein weiterer Bieter öffentlich auf den Plan: Friedrich-Wilhelm Göbel.

Der Dortmunder Unternehmer und Geschäftsführer der Modekette Aachener bestätigte der Branchenzeitung „Textilwirtschaft“ (TW) sein Interesse an einigen Galeria-Filialen.

Laut einer Mitteilung seines Unternehmens geht es um, „eine größere Anzahl“ Filialen, zu denen man in Gesprächen sei. Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof teilte auf Anfrage von Business Insider lediglich mit, dass man sich aus Gründern der Vertraulichkeit nicht öffentlich zu Interessenten äußere.

Göbel ist nicht der erste, der öffentlichkeitswirksam nach Filialen der taumelnden Kaufhauskette greift. Schon kurz, nachdem GKK sich zur Sanierung in das Schutzschirmverfahren begeben hatte, trat Büro.de-Gründer Markus Schön auf den Plan. Der Online-Händler für Büroartikel gab an, 47 Filialen kaufen und unter dem Namen „Schön hier“ erhalten zu wollen.

Geblieben ist von dem pressewirksamen Coup wenig: Schon nach den ersten Gesprächen hatte Schön sein Angebot wieder zurückgezogen.

Ist sein Angebot seriöser als das von Schön?

„Es geht darum, Druck über die Öffentlichkeit zu erzeugen“

Gerade vor dem Hintergrund des geplatzten Angebots des „Büro.de“-Gründers sieht Georg Bernsau solche Angebote kritisch. Bernsau ist Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht bei der Kanzlei K&L Gates. „Seriöse Angebote gehen nicht über die Öffentlichkeit“, sagt er. „Wenn ein Angebot schon zu Beginn publik wird, geht es darum, Druck über die Öffentlichkeit zu erzeugen.“

Anders sei es, wenn das Angebot erst während der Verhandlungen publik werde. „Dann könnte beispielsweise jemand aus dem Gläubigerausschuss oder der Arbeitnehmervertretung etwas durchgestochen haben. Oder die Verhandlungen gehen dem Bieter beispielsweise nicht schnell genug. Auch hier geht es aber in beiden Fällen um zusätzlichen Druck über die Öffentlichkeit.“ Auch beim Angebot von Aachener ist er skeptisch: „Man muss schon fragen, was für ein super Konzept denn dahinterstehen soll.“

Immerhin sieben Mode-Kaufhäuser betreibt Aachener aktuell laut Website. Eigenen Angaben zufolge bietet das Unternehmen dort Mode im „gehobenen und höheren Preissegment“ an und legt besonderen Wert auf Beratung. Und auch ehemalige Galeria-Filialen hatte Göbel mit Aachener bereits übernommen, wenn auch nicht direkt vom Warenhaus-Konzern.

Doch wer ist Göbel?

Vom Rosenkrieg zum Galeria-Angebot

Dass Göbel erst Anfang 2022 Jahres seine Modekette Aachener gründete und damit nun anscheinend auf Expansionskurs ist, verdankt er einem öffentlichkeitswirksam geführten Rosenkrieg. Denn bis Ende 2021 war Göbel eigentlich das Gesicht der Mode-Kaufhauskette Sinn GmbH, ehemals Sinn Leffers. Dort war er laut Handelsregister von 2014 bis 2018 Geschäftsführer, dann Eigentümer und weiterhin das Gesicht des Unternehmens. Im August 2021 wurde Göbel allerdings entlassen. Ausgerechnet von seiner Ex-Frau Isabelle Göbel, von der er sich laut „Manager Magazin“ bereits drei Jahre zuvor getrennt hatte.

Während Friedrich-Wilhelm Göbel von seiner Entlassung über die Anwälte seiner Ex-Frau in München erfahren habe, so die Geschichte, sei Isabelle Göbel in die Sinn-Zentrale nach Hagen gefahren und habe die Beschäftigten informiert. Den damaligen Geschäftsführer Thorsten Altenscheidt habe die Nachricht seiner Entlassung im Urlaub überrascht. Dass Isabelle Göbel dazu überhaupt die Befugnis hatte, lag an den Eigentumsverhältnissen bei Sinn. Obwohl Friedrich-Wilhelm im Interview mit der "TW" behauptete, operativ zuständig zu sein, gehörte die Handelskette der SEL Erbwerbs- und Beteiligungs GmbH. Und die liegt zu 100 Prozent in den Händen der studierten Kunsthistorikerin und BWLerin.

Göbel ließ das nicht auf sich sitzen, sondern warb in der Folge ehemalige Sinn-Mitarbeiter ab, unter anderem die Einkaufschefin von Sinn, um seine eigene Handelskette zu gründen: Aachener. Laut „Manager Magazin“ benannt nach dem Ort der ersten Sinn-Filiale. Auch Zulieferer habe er anschließend aggressiv für einen Wechsel umworben.

Diverse Insolvenzen

Ursprünglich kommt Göbel aus Remscheid, so die "TW", studiert in Oxford und Paris und geht mit einem MBA zunächst 1987 zur Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in München. Zwei Jahre sei er Assistent des Vorstandes gewesen, bevor er fünf Jahre lang in New York eine Investment-Sparte aufbauen sollte.

Zur Jahrtausendwende gründet er schließlich seine eigene Bank, die Viscardi AG und ist Mitgründer und Anteilseigner von Immo (Immoscout 24), so die "TW" weiter. In dieser Zeit entsteht auch der Kontakt zu Modehändler Wöhrl, wo Göbel schließlich erst Berater wird und dann in den Aufsichtsrat einzieht. Und nach der Übernahme von Sinn Leffers durch Wöhrl wechselt er schließlich in die Modebranche: Er übernimmt die Geschäftsführung des Händlers.

Seine Sinn-Zeit ist allerdings nicht von Glück geschlagen: Wöhrl und SinnLeffers rutschen 2016 in die Insolvenz – Familie Göbel übernimmt von Wöhrl als neuer Eigentümer. Und während der Corona-Pandemie hilft nur eine weitere Insolvenz im Schutzschirmverfahren. Mit dem aktuellen Prozess beim Warenhaus-Riesen GKK dürfte Göbel sich also auskennen, war er doch bis zu seiner Entlassung acht Jahre lang – und damit über zwei Insolvenzen hinweg – eines der prägenden Gesichter bei SinnLeffers.

Schulden und Vorstrafen

Anfang 2022 berichtet das „Manager Magazin“ allerdings auch von einer düsteren Seite von Göbels Vergangenheit. Dass Sinn über die SLE Erwerbs- und Beteiligugns GmbH überhaupt seiner Ex-Frau gehört habe, liege an einem alten Feind: Multiinvestor Peter Löw, zu der Zeit unter den Top 400 der Reichenliste des Magazins. Der habe Göbel Anfang 2000 sechs Millionen Euro zu Anlagezwecken geliehen – und nur einen Teil zurückgehalten.

Der Vorwurf von Löw: Göbel verschleiere mal sein Vermögen, mal seinen Wohnsitz und seine Einkünfte, um den Forderungen von Löw zu entgehen. Dem „Manager Magazin“ zufolge machte Göbel Falschaussagen unter Eid, unrichtige Angaben zu seinen Vermögenswerten und habe auch sonst ein „illustres Register“ und Vorstrafen – Steuerhinterziehung über Insolvenzverschleppung bis hin zu vorsätzlichem Bankrott.

Göbel habe die Verfehlungen gegenüber dem Magazin eingeräumt und teils von unabsichtlichen Fehlern gesprochen.