Umstrittene Pandemie-Klinik in Madrid eröffnet

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Die 80.000 Quadratmeter große Klinik liegt in der Nähe des Flughafens

Nach nur drei Monaten Bauzeit ist in Madrid die wegen ihrer horrenden Kosten umstrittene Pandemie-Klinik Isabel Zendal eingeweiht worden. Das Krankenhaus sei "ein Wunder", sagte Madrids konservativer Bürgermeister José Luis Martínez Almeida bei der Eröffnung am Dienstag, an der neben politischen Vertretern auch hunderte Journalisten teilnahmen. Vor dem Komplex in der Nähe des Flughafens demonstrierten dutzende Ärzte und Pfleger gegen die aus ihrer Sicht sinnlose Investition.

Die Klinik werde situationsspezifisch angepasst werden, sei es im Falle von "Katastrophen" oder "neuer Epidemien", sagte die Chefin der konservativen Regionalregierung von Madrid, Isabel Díaz Ayuso. Die dortige Intensivstation werde die "modernste in Madrid" sein, fügte sie hinzu.

Die Eröffnung fand in noch leeren Räumen statt; aus einigen Decken hingen noch Kabel. In Betrieb genommen werden sollen die einzelnen Stationen der Klinik schrittweise, die ersten Corona-Patienten sollen kommende Woche in der Klinik eintreffen.

Damit soll nach Behördenangaben der Druck von den anderen Krankenhäusern in Madrid genommen werden, die wegen der Corona-Pandemie einen Großteil aller anderen Operationen und Behandlungen aussetzen mussten. Doch aus Sicht vieler Mitarbeiter des Gesundheitswesens verbessert die teure Isabel-Zendal-Klinik die Lage in der spanischen Hauptstadt ganz und gar nicht.

"Sie weihen ein Krankenhaus ein, das wir als unnötig betrachten. Es gibt hunderte ungenutzte Betten in anderen Krankenhäusern", sagte die Labortechnikerin Olga Álvarez, die gemeinsam mit dutzenden weiteren Klinik-Angestellten vor dem Isabel-Zendal-Komplex protestierte. Das Geld für die Klinik hätte aus ihrer Sicht besser in die Corona-Kontaktverfolgung, Personal oder klinisches Material investiert werden sollen.

100 Millionen Euro kostete der Bau der 80.000 Quadratmeter großen Isabel-Zendal-Klinik nach vorläufigen Behördenangaben - doppelt so viel wie im ursprünglichen Budget vorgesehen. Über das Projekt hatte es auch auf der politischen Ebene Streit gegeben.

Spaniens sozialistischer Gesundheitsminister Sálvador Illa blieb der Eröffnung am Dienstag fern, was Díaz Ayuso indirekt mit der Bemerkung kritisierte, ein "öffentliches Krankenhaus" könne für niemanden eine schlechte Nachricht sein - "außer für jene, die ihre politische Agenda" zur Schau stellen wollten.

Spanien gehört zu den am schwersten von der Pandemie betroffenen Ländern weltweit. Wegen der Überlastung der Krankenhäuser hatte die Armee im Frühling eine provisorische Klinik für Corona-Patienten in einer Messehalle errichtet. Insgesamt wurden in Spanien seit Pandemie-Beginn mehr als 1,6 Millionen Ansteckungen mit dem Coronavirus nachgewiesen, mehr als 45.000 Erkrankte starben.

isd/ju