Umfrage – Vorsicht Blase!

Manager aus rund 400 Finanzunternehmen aus Deutschland erkennen eine Blase an den europäischen Aktien- und Immobilienmärkten. Die Schuld dafür geben sie der EZB, die Europa seit rund zwei Jahren massiv mit Geld flutet.


Finanzexperten sind sich nahezu einig: An den Aktien- und Immobilienmärkten haben sich Kurs- und Preisblasen gebildet beziehungsweise werden solche Auswüchse entstehen. Das sagen 92 Prozent der Manager aus rund 400 Finanzfirmen in Deutschland, die das an der Frankfurter Universität angesiedelte Forschungsinstitut Center for Financial Studies befragt hat. Den Grund für solche aufgepumpten Märkte erkennen die Führungskräfte in der extrem expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die seit 2015 monatlich Staats- und Unternehmensanleihen in Milliarden-Euro-Höhe ankauft und damit Geld in die Wirtschaft presst. Außerdem hat sie den Leitzins – zu dem sich Banken von der EZB Geld leihen – im März vergangenen Jahres auf null gesetzt, um billige Kredite zu ermöglichen. Die Notenbanker wollen so das Wirtschaftswachstum und die Inflation ankurbeln.

Ob diese Operation aber gelungen ist, darüber scheiden sich die Geister der befragten Manager. Nur knapp 12 Prozent billigen dem EZB-Chef Mario Draghi und seinen Kollegen Erfolg des Ankurbelungsprogramms zu, rund die Hälfte hält es für „teilweise“ gelungen. Dagegen meinen knapp 38 Prozent, die Maßnahmen seien gescheitert.


„Die Umfrage verdeutlicht die Skepsis der Marktteilnehmer gegenüber der Wirksamkeit der geldpolitischen Strategie der EZB“, konstatiert Volker Brühl, Geschäftsführer des CFS. „Insbesondere die Befürchtung einer Blasenbildung in bestimmten Assetklassen sollte die EZB sehr ernst nehmen“, mahnt er.

Für „alarmierend“ hält der CFS-Experte auch die Einschätzung der allermeisten Manager von Banken, Versicherungen, Vermögensverwaltern, Brokern oder Beratungshäusern, dass zwar ein rascher Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik geboten ist, sie diesen aber nicht erwarten. Gut drei Viertel der befragten Führungskräfte befürworten demnach einen Ausstieg aus der ultraockeren Geldpolitik spätestens im ersten Quartal 2018. Nahezu keiner rechnet allerdings damit. Knapp 94 Prozent geben an, dass sie nicht erwarten, dass die EZB spätestens im ersten Viertel des kommenden Jahres ihren expansiven geldpolitischen Pfad verlässt. Gerade mal zwei Prozent der Befragten können sich eine schnellen Ausstieg vorstellen.


Am 26. Oktober wird es dazu wieder spannend: Dann wird EZB-Chef Draghi die nächste Leitzinsentscheidung verkünden. Investoren und Finanzexperten rechnen auch mit einer Entscheidung der Zentralbank, wie es mit dem Ankauf von Anliehen im kommenden Jahr weitergeht.

Wenn die EZB dann entgegen der Markterwartungen doch eine Kehrtwende einleite, könne das bedeuten, dass die Märkte „auf dem falschen Fuß erwischt werden“, warnt Brühl. Eine „klare, rechtzeitige Kommunikation“ der EZB hält er für wesentlich.