Umfrage: Politik nimmt zu große Rücksicht auf Autoindustrie

Nach dem Diesel-Gipfel vergangene Woche ist eine Mehrheit der Deutschen der Ansicht, dass die Politik zu große Rücksicht auf die Interessen der deutschen Automobilindustrie nimmt

Nach dem Diesel-Gipfel vergangene Woche ist eine Mehrheit der Deutschen der Ansicht, dass die Politik zu große Rücksicht auf die Interessen der deutschen Automobilindustrie nimmt. In dem am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" sagten dies 70 Prozent, lediglich elf Prozent vertraten die gegenteilige Meinung. Fahrverbote für Diesel-Pkw, die nicht die neueste Abgasnorm haben, lehnt eine knappe Mehrheit von 53 Prozent ab.

43 Prozent der Befragten hingegen sprachen sich für Fahrverbote in einzelnen Städten aus, wenn dort die zulässigen Grenzwerte überschritten werden. Für das "Politbarometer" befragte die Forschungsgruppe Wahlen von Dienstag bis Donnerstag 1352 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte am Telefon.

Auf dem Diesel-Gipfel hatten die Autohersteller zugesagt, insgesamt fünf Millionen Diesel-Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 5 und 6 mit einem Software-Update nachzurüsten, um die Abgase dieser Autos zu senken. Für ältere Diesel-Pkw bieten mittlerweile fast alle Hersteller Umstiegsprämien, wenn die Besitzer das Auto verschrotten lassen und sich einen Neuwagen kaufen.

Ziel des Treffens von Bund und Ländern mit der Industrie war die Vermeidung von Diesel-Fahrverboten. Umwelt- und Verbraucherverbände zeigten sich nach dem Gipfel enttäuscht von den Ergebnissen. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), zusammen mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Gastgeberin des Gipfels, forderte weitere Zugeständnisse. Ihre Parteikollegin, Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries, verlangte am Freitag einen zweiten Diesel-Gipfel im Herbst.