Umfrage: Mehr als drei Viertel der Deutschen befürworten Ankerzentren

Trotz Absagen vieler Bundesländer hält die Union an den geplanten Ankerzentren für Flüchtlinge fest. Er sei guter Hoffnung, dass die Erfahrungen im Pilotbetrieb dazu führen werden, dass sich auch andere Länder anschließen, sagte Unionsvize Harbarth

Mehr als drei Viertel der Deutschen sind einer Umfrage zufolge für die Pläne von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), Asylbewerber bei ihrer Ankunft in Deutschland in Ankerzentren unterzubringen. Wie die "Welt" am Samstag berichtete, sprachen sich in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Civey für die Zeitung 77 Prozent für die Einrichtung von Ankerzentren aus, in denen sich Asylbewerber aufhalten müssen, bis über ihren Antrag entschieden wurde. 18 Prozent stimmten gegen das Konzept, fünf Prozent zeigten sich in der Frage unentschlossen.

Am häufigsten sprachen sich demnach Anhänger der AfD (98 Prozent) für die Errichtung von Ankerzentren aus, gefolgt von Anhängern der FDP (91 Prozent) und der Union (88 Prozent). Mehrheiten für das Konzept gibt es laut der Umfrage zudem bei SPD-Anhängern (62 Prozent) und den Anhängern der Linken (53 Prozent).

Wähler der Grünen sprachen sich der "Welt" zufolge mit 57 Prozent mehrheitlich gegen die Einrichtung der Zentren aus. Daneben gebe es auch bei den Anhängern der Linken (41 Prozent) und der SPD (32 Prozent) viele Gegner des Konzepts.

Die Bezeichnung Ankerzentrum steht für Ankunft, Entscheidung, Rückführung. In den von Seehofer geplanten Zentren sollen Asylbewerber für die gesamte Dauer ihrer Antragsprüfung untergebracht werden. Kritiker warnen davor, dass es in den Massenunterkünften vermehrt zu Szenen der Gewalt wie bei der versuchten Abschiebung eines Togoers im baden-württembergischen Ellwangen kommen könnte.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt wies die Kritik an den Ankerzentren erneut zurück. "Diejenigen, die Ankerzentren ablehnen, wollen weniger Ordnung und mehr Zuwanderung", sagte Dobrindt der "Rheinischen Post" vom Samstag. "Wer kein Bleiberecht erhält, soll sich in unserem Land gar nicht erst einrichten", forderte der CSU-Politiker.

Der "Sächsischen Zeitung" vom Samstag zufolge will Sachsen als eines der ersten Bundesländer ein Ankerzentrum für Asylbewerber errichten. Laut Innenminister Roland Wöller (CDU) werde der Freistaat sich bereits in der Pilotphase an dem Projekt beteiligen, berichtete die Zeitung. Ein genauer Standort stehe noch nicht fest. Neben Leipzig oder Chemnitz dürfte Dresden in die engere Wahl kommen.