Vom Militär kaltgestellter Staatschef Mugabe tritt in Simbabwe öffentlich auf

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Mugabe (2.v.r.) und Armeechef Chiwenga (r.) am Donnerstag

Simbabwes Staatschef Robert Mugabe ist erstmals seit der Machtübernahme des Militärs wieder öffentlich aufgetreten. Der 93-Jährige, der seit Mittwoch unter Hausarrest stand, nahm am Freitag an der Abschlussfeier einer Universität in der Hauptstadt Harare teil. Der von Mugabe geschasste Vizepräsident Emmerson Mnangagwa kehrte nach Simbabwe zurück. Für Samstag riefen Veteranen des Unabhängigkeitskrieges gegen die Kolonialmacht Großbritannien zu Großdemonstrationen für Mugabes Rücktritt auf.

Die Armee hatte Mugabe unter Hausarrest gestellt, nachdem der Präsident seinen Stellvertreter Mnangagwa entlassen hatte. Mnangagwa unterhält enge Verbindungen zum Militär und war lange als Nachfolger Mugabes gehandelt worden. Mit seinem Eingreifen wollte das Militär offenbar verhindern, dass Mugabe stattdessen seine 52-jährige Ehefrau Grace als Nachfolgerin in Stellung bringt.

Am Freitag erschien Mugabe in einem blauen Talar zu der Abschlussfeier. Der 93-Jährige verfolgte die Zeremonie mit geschlossenen Augen und applaudierte gelegentlich. In der Vergangenheit hatte Mugabe die Übergabe der Abschlusszeugnisse häufig persönlich übernommen. Seine Teilnahme am Freitag könnte aber zumindest auf eine Lockerung seines Hausarrests hindeuten.

Das Militär hatte nach der Machtübernahme versichert, Mugabe nicht stürzen zu wollen. Die Armee bezeichnete das Eingreifen als vorübergehende Maßnahme und bestritt, geputscht zu haben.

Am Donnerstag hatten sich die Generäle zu Gesprächen mit Mugabe getroffen. Auf Bildern, die das Staatsfernsehen verbreitete, war Mugabe lächelnd neben Armeechef Constantino Chiwenga zu sehen. Eine offizielle Erklärung zum Inhalt der Gespräche gab es nicht.

Nach Angaben aus Armeekreisen lehnte Mugabe einen Rücktritt ab. "Er weigert sich zurückzutreten", hieß es nach dem Treffen. Am Freitag kam der Staatschef zu weiteren Gesprächen mit der Armeeführung zusammen.

Das Militär vermeldete am Freitag die Festnahme mehrerer Mugabe-Vertrauter. "Wir haben einige der Kriminellen gefasst, andere sind noch auf freiem Fuß", erklärte die Armee. Gemeint waren offensichtlich Unterstützer der Präsidentengattin.

Grace Mugabe hatte sich mit dem 75-jährigen Vizepräsidenten Mnangagwa einen Machtkampf um die Nachfolge ihres Ehemannes geliefert. Nach seiner Entlassung setzte sich Mnangagwa ins Nachbarland Südafrika ab. Am Donnerstag kehrte er nach Simbabwe zurück. Gemäß der Verfassung übernimmt beim Rücktritt des Staatschef dessen Stellvertreter das Präsidentenamt bis zur Präsidentschaftswahl 2018.

Ein einflussreicher Veteran des Unabhängigkeitskrieges forderte dazu auf, zur Unterstützung der Armee am Samstag massenhaft auf die Straße zu gehen. "Die Generäle haben eine fantastische Arbeit geleistet. Das Spiel ist aus", sagte der Vorsitzende des Veteranenverbands, Christopher Mutsvangwa, an die Adresse Mugabes und seiner Frau.

US-Außenminister Rex Tillerson erklärte, die Simbabwer müssten "ihre Regierung wählen" dürfen. Notwendig sei eine Rückkehr zur verfassungsmäßigen, zivilen Ordnung, sagte er zu Beginn einer Ministerkonferenz mit der Afrikanischen Union (AU) in Washington.

Die Bundesregierung rief zur Zurückhaltung auf. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts appellierte an alle Beteiligten, auf Gewalt zu verzichten und auf eine dauerhafte friedliche Lösung hinzuwirken. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, es sei ein positives Zeichen, dass sich die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (SADC) in den Konflikt eingeschaltet habe.

Die Organisation hatte am Donnerstag bei einem Treffen in Botsuana ein regionales Gipfeltreffen gefordert, um die Krise in Simbabwe beizulegen. SADC-Gesandte nahmen auch an dem Treffen der Generäle mit Mugabe teil.

Der Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, würdigte am Freitag Mugabes Rolle im Kampf gegen den Kolonialismus. Er fügte aber hinzu, dass es für ihn nun an der Zeit sei, "seinen Sitz einer neuen Generation zu übergeben".