Ulreich: Das denken die Spieler über Heynckes' Zukunft

Martin Volkmar, Stefan Kumberger

Im Werben um Jupp Heynckes haben die Bosse des FC Bayern die volle Unterstützung der Mannschaft.

"Ich kann für die Spieler sprechen: Wir würden uns alle freuen, wenn er bei uns bleibt und noch ein weiteres Jahr dranhängt. Aber das entscheidet er ganz alleine", sagte Sven Ulreich im Interview mit SPORT1 am Rande der internationalen Digitalkonferenz DLD in München.

Der FCB-Keeper hat wie fast alle im Verein die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Heynckes sich doch zu einer Vertragsverlängerung bis 2019 überreden lässt. Dies hat der 72-Jährige bislang zwar kategorisch ausgeschlossen, dennoch buhlt die Führung weiter um den Coach.


"Ich würde nicht ausschließen, dass Jupp am Ende des Tages am 1. Juli auf der Bank sitzt. Bei uns gibt es die große Charmeoffensive von Uli Hoeneß - und wenn ich ehrlich bin, unterstütze ich die total", hatte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge zuletzt bei Sky erklärt.

Neben dem Erfolg unter Heynckes, dessen Team mit 16 Punkten Vorsprung auf Platz zwei auf dem besten Weg zur sechsten Meisterschaft in Folge ist, begründete Rummenigge diesen Wunsch vor allem mit den menschlichen Qualitäten von Heynckes: "Alle Spieler lieben Jupp."

"Trainer weiß, dass wir gerne mit ihm arbeiten"

Diese große Wertschätzung der Profis bestätigte auch Ulreich bei SPORT1. "Der Trainer weiß, dass wir gerne mit ihm zusammenarbeiten - und das spürt er auch", meinte der 29-Jährige: "Ich glaube, er muss die Entscheidung für sich treffen, was er in Zukunft machen möchte. Er ist da erfahren genug. Es ist auch verständlich, wenn er die Zeit eher mit der Familie verbringen will."


Die Bayern wollen Heynckes so lange wie möglich die Tür offen lassen und erst nach einer endgültigen Absage die Suche nach einem Nachfolger intensivieren. Allerdings könnte es dann schwierig werden, die noch bis mindestens 2019 unter Vertrag stehenden Kandidaten Niko Kovac, Ralph Hasenhüttl oder Julian Nagelsmann von ihren Klubs loszueisen.

Verfügbar ist dagegen weiterhin Thomas Tuchel, den Rummenigge offenbar als erste Alternative sieht. Allerdings soll Präsident Uli Hoeneß bisher nicht vom Ex-Trainer von Borussia Dortmund überzeugt sein - weshalb er so hartnäckig um Heynckes wirbt.

Zukunft mehrerer Spieler hängt an Trainerfrage

An der Trainerfrage hängt aber auch die Zukunft mehrerer Spieler, vor allem der im Sommer vertragslosen Arjen Robben, Franck Ribery, Rafinha und Ulreich. Der ehemalige Stuttgarter will sich auf Nachfrage weiterhin nicht konkret zu seinen Plänen äußern.

Hoeneß hatte kürzlich eine Verlängerung in den Raum gestellt und den Ersatz des verletzten Manuel Neuer aufgrund dessen starker Entwicklung unter Heynckes als seinen "Mann des Jahres" gelobt.

"Natürlich ehrt es mich, wenn der Präsident das sagt", meinte Ulreich dazu: "Ich freue mich einfach, dass wir in den letzten Monaten erfolgreich waren und werde weiter alles versuchen, der Mannschaft zu helfen, bis Manu wieder fit ist."


Neuer, der die Allianz Arena am Sonntagabend nach dem 4:2 über Werder Bremen erstmals ohne Gehhilfen und Schutzschuh verließ, soll in den nächsten Wochen ins Teamtraining zurückkehren. Für Ende März, spätestens Anfang April wird mit seinem Comeback im Bayern-Tor gerechnet.

Warnung vor Überheblichkeit

Bis dahin könnte der Rekordmeister schon die 28. Meisterschaft sicher haben. Dennoch warnte Ulreich vor Überheblichkeit.

"Man hat gegen Bremen gesehen, dass es auch schwierig gegen einen Gegner in der unteren Tabellenhälfte wird, wenn man nicht hundertprozentig fokussiert ist und die letzte Frische fehlt", warnte Ulreich, "deswegen dürfen wir da nicht nachlassen, sondern müssen die Spiele weiter voll konzentriert und motiviert angehen".

Dies sei angesichts seines großen Vorsprungs auf den Rest der Liga zwar schwierig, erklärte Ulreich weiter, "aber wir sind alle Profi genug. Die letzten Jahre war der Vorsprung auch nicht kleiner und da haben wir trotzdem bis zum Schluss unsere Leistung gebracht. Das müssen wir auch weiterhin, weil wir noch in allen Wettbewerben vertreten sind und da so weit wie möglich kommen wollen."