Das ist der neue NBA-Star aus Ulm

Martin Hoffmann
·Lesedauer: 3 Min.

Ist er der nächste BBL-Spieler, der eine große Karriere in der besten Basketball-Liga der Welt hinlegt?

Killian Hayes, in der vergangenen Saison noch Spielmacher bei ratiopharm Ulm, kann sich beim NBA Draft 2020 am kommenden Mittwoch gute Chancen ausrechnen, an prominenter Position gewählt zu werden - und zu einem Point Guard der Extraklasse zu reifen. Er könnte sogar die Überraschung eines an der Spitze offen wie seltenen Drafts werden.

Diverse Experten ordnen den Sohn des Basketballer-Ehepaars DeRon Hayes und Sandrine Demiannay als zweitbesten Draft-Teilnehmer auf seiner Position ein, hinter LaMelo Ball, dem potenziellen Nummer-1-Pick.

Aus diesem Grund sollen etwa die New York Knicks erwägen, bei Hayes zuzugreifen, sollte er noch verfügbar sein, wenn diese an Position 8 an der Reihe sind - so berichtete es zumindest die New York Post.

Hayes: Das würde für Detroit sprechen

Im Zoom-Call mit Journalisten aus aller Welt fehlten die Knicks allerdings in den Ausführungen von Hayes über potentiell interessierte Klubs. Auch wenn er sich in diesem Zusammenhang noch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen wollte, ließ er doch den einen oder anderen Namen fallen.

Den der Detroit Pistons beispielsweise (Position 7), bei dem sein französischer Landsmann Sekou Doumbouya spielt. "Ich hatte ein Workout bei den Pistons, und Sekou kenne ich schon lange. Für mich wäre es großartig, jemanden wie ihn um sich herum zu haben, der mir die Integration auch erleichtert", sagte der 19-Jährige.

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Mit den San Antonio Spurs (Position 11) habe es zumindest ein Zoom-Meeting gegeben, berichtete Hayes. Hayes würde dort in die Fußstapfen eines großen Vorbilds treten: "Manu Ginobili hat mich am meisten beeinflusst, in seiner Art zu spielen, seiner Beinarbeit und seinem Passspiel." In Tony Parker hatte ein französischer Point Guard zudem dort nicht die schlechteste Karriere und wurde zum ersten europäischen Finals-MVP.

"Ulm ist einfach ein guter Basketball-Standort"

Zu den Boston Celtics dürfte es ihn als einen der ersten Picks wohl nicht verschlagen, da sie erst an Nummer 14 wählen dürfen. Dabei spielen dort mittlerweile auch zwei ehemalige Ulmer: Daniel Theis und Javonte Green.

Eine zufällige Häufung? Nicht unbedingt, sagte Hayes in der Medienkonferenz vor dem Draft zu SPORT1: "Es wundert mich nicht, dass sie es geschafft haben. Ulm ist einfach ein guter Basketball-Standort."

Dass Hayes unter anderem dort schon Erfahrungen im Erwachsenen-Basketball gesammelt hat, die er anderen Draft-Konkurrenten voraus hat, wird von diversen Experten als Vorteil eingeschätzt: Gelobt wird immer wieder auch sein schon sehr ausgeprägtes strategisches Verständnis, seine Technik und Kreativität. Der 1,95-Meter-Mann ist ein moderner Point Guard, der das beste aus verschiedenen Welten vereint - und dem hohes Entwicklungspotenzial attestiert wird.

Bewusste Entscheidung für Europa

Hayes war im Sommer vergangenen Jahres nach Ulm gewechselt, zuvor spielte er bei Cholet Basket in Frankreich, der Heimat seiner Mutter - für das Team, bei dem einst auch sein Vater aktiv war. Papa DeRon ist der große Karriere-Lenker des in Florida geborenen Killian: Er entdeckte und förderte das Talent des Sohns und gab richtungweisende Tipps.

Unter anderem hatte er ihm davon abgeraten, das Highschool- und College-System in den USA zu durchlaufen. Die alte Wahlheimat Europa sah er als besseres Entwicklungsbiotop.

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Hayes, MVP der U16-EM 2017 und des Jordan Brand Classic im selben Jahr (zusammen mit Addison Patterson) hat auch für Ulm einige Ausrufezeichen gesetzt: Im Eurocup war er mit 6,2 Assists nicht nur drittbester Passgeber des Wettbewerbs, er wurde auch zum zweitjüngsten Spieler nach Ricky Rubio, der dort ein Double Double hinlegte.

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