Die Ukraine bat nicht nur um Waffen, sondern immer wieder auch um humanitäre Hilfsgüter

Hunderte User haben Anfang Mai eine Texttafel auf Facebook geteilt, wonach die von russischen Streitkräften angegriffene Ukraine angeblich keine Nahrungsmittel und medizinische Unterstützung erbat, sondern ausschließlich Waffen. Das ist allerdings falsch. Die ukrainische Regierung hat auf Spendenseiten auch um medizinische Hilfe und Nahrung für die Bevölkerung gebeten und tut dies auch aktuell.

Hunderte User haben die Texttafel Anfang Mai 2022 auf Facebook geteilt. Auf Telegram erreichte die Behauptung Zehntausende. Auch auf Twitter kursiert der Text.

Die Behauptung: In den geteilten Postings steht: "Schon komisch: trotz diesem 'unmenschlichen Krieg' in dem 'Menschen hungern' und der 'böse Russe Krankenhäuser bombardiert'.... fordert der Ukrainer KEINE Nahrungsmittel und KEINE medizinische Unterstützung sondern? Richtig! NUR WAFFEN! Was stimmt da nicht?"

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 06.05.2022

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine kursieren immer wieder falsche Informationen über den Krieg. AFP sammelt Faktenchecks zum Ukraine-Krieg hier.

Zahlreiche Länder boten der Ukraine Hilfe in Form von Waffen, Geld und humanitärer Hilfe an. Dabei entfachte in Deutschland auch eine Debatte, wie der Ukraine am besten geholfen werden könne (hier, hier, hier) und was möglich sei, ohne das Deutschland mit seiner Unterstützung zur Kriegspartei würde.

Nach ersten Waffenlieferungen forderte Anfang April der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, in einem Interview von der Bundesregierung: "Was wir heute brauchen sind schwere Waffen, sind Panzer, gepanzerte Wagen, sind Artilleriesysteme, Mehrfach-Raketenwerfer, womit man auch die Gebiete im Süden und Südosten befreien kann. Man kann keine Gegenoffensive starten mit einer Panzerfaust."

Ukraine bat um Nahrungsmittel und medizinische Hilfe

Eine englische Google-Suche nach den Begriffen "Ukraine", "Donation" und "Selenskyj" führte zu einem Tweet des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vom 5. Mai 2022. Darin stellt er in einem Video eine neue Spendenseite der Ukraine namens United24 vor.

Auf der Spendenseite United24 können Freiwillige in drei Kategorien spenden: "Verteidigung und Minenräumung", "Wiederaufbau der Ukraine" und explizit auch "medizinische Hilfe". Die Seite wird vom Präsidialbüro, dem ukrainischen Ministerkabinett und dem ukrainischen Ministerium für digitale Transformation betrieben.

Doch auch an anderer Stelle bat die ukrainische Regierung bereits früher um Lebensmittel und medizinische Hilfe. Auf einer Spendenseite des Präsidialbüros und des Ministerkabinetts der Ukraine ist eine Kategorie im Fragebereich zu finden, die die am dringendsten benötigten humanitären Hilfen auflistet. Dort wird unter anderem um Babynahrung, Konserven und Rohkost gebeten. Auch Antiseptika, medizinische Handschuhe, Masken, Kittel und Schutzbrillen sind dort aufgeführt. Für Medikamentenspenden ist ein spezielles Formular sowie eine Bedarfsliste des ukrainischen Gesundheitsministeriums verlinkt.

Dieser Punkt im FAQ ist bereits mindestens seit dem 18. April 2022 auf der Spendenseite zu finden.

Auch Länder bestätigen humanitäre Hilfe in Absprache

Die Europäische Union hat nach Kriegsbeginn in der Ukraine ein humanitäres Soforthilfepaket in Höhe von 550 Millionen Euro angekündigt. Teile davon sollen in Nachbarländer der Ukraine fließen, um dort etwa Kriegsgeflüchteten Nahrungsmittel, Wasser, Gesundheitsversorgung und Unterkünfte zu finanzieren. In diesem Rahmen leistet auch die deutsche Bundesregierung Hilfe und sanktioniert darüber hinaus Russland.

Das österreichische Innenministerium berichtete außerdem am 15. März von Absprachen mit der Ukraine: "Zivilschutzbehörden der Ukraine sowie deren Nachbarstaaten haben sich an die Europäische Kommission gewandt und um Bereitstellung dringend benötigter Güter ersucht." Dazu veröffentlichte das österreichische Innenministerium eine Liste mit benötigten Gütern wie Medikamenten, medizinischer Ausrüstung und haltbaren Nahrungsmitteln.

Auch das französische Außenministerium schrieb am 21. April: "Auf Ersuchen der ukrainischen Behörden liefert das Krisen- und Unterstützungszentrum des Ministeriums für Europa und auswärtige Angelegenheiten (CDCS) in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Solidarität und Gesundheit und mehreren französischen Krankenhäusern über 28 Tonnen medizinische Ausrüstung per Lkw nach Polen."

Fazit: Die Behauptung, die Ukraine würde ausschließlich um Waffenspenden bitten – und nicht um Nahrungsmittel oder medizinische Hilfe – ist falsch. Öffentlich zugängliche Regierungsseiten zeigen, dass die Ukraine um Lebensmittel und medizinische Hilfe bittet und das auch schon in der Vergangenheit getan hat.

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