Uekermann sieht Schulz bei TV-Duell mit Merkel im Vorteil

Johanna Uekermann

Juso-Chefin Johanna Uekermann sieht SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz beim TV-Duell mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Vorteil. Schulz sei "das Gegenteil von Merkel, die in allem schwammig bleibt", sagte Uekermann der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. Schulz brenne für das, was er sage. "Er ist glaubwürdig, er ist emphatisch, und kommt gut rüber."

Schulz müsse im TV-Duell am Sonntag genau das machen, "was er jetzt auf den Marktplätzen zeigt", sagte Uekermann. Der SPD-Kanzlerkandidat habe klare Forderungen und spreche Gerechtigkeitsthemen wie die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern an, "die die Leute umtreiben".

Die Chefin der SPD-Nachwuchsorganisation hob hervor, dass viele junge Menschen zu den Kundgebungen von Schulz kämen. "Meine Generation kennt ja eigentlich nur Merkel als Bundeskanzlerin", sagte sie. "Aber das Gefühl ist da, dass in den vergangenen Jahren zu wenig für sie passiert ist." Merkel regiere an jungen Leuten vorbei, Schulz dagegen sei ein "Hoffnungsträger" für ihre Generation.

Uekermann bekräftigte ihre Ablehnung einer erneuten großen Koalition. "Mir fällt einfach kein Projekt mehr ein, bei dem wir als SPD mit der Union auf einen gemeinsamen Nenner kommen würden", sagte sie. "Und wenn es keine Gemeinsamkeiten mehr gibt, sollte man auch nicht mehr heiraten."

Auf die Frage, wie sie bei einem möglichen Mitgliederentscheid nach der Wahl über eine große Koalition stimmen würde, gab die Juso-Chefin keine eindeutige Antwort: "Man kann jetzt natürlich nicht jede Reaktion vorwegnehmen, warten wir erstmal das Ergebnis ab", sagte sie zu AFP.

Allerdings machte Uekermann deutlich: "Vom jetzigen Standpunkt - wir Jusos waren ja auch gegen die letzte große Koalition - ist es so: Frau Merkel hat überhaupt keinen Plan für die Zukunft." Sie sehe daher nicht, warum die SPD nochmal mit der Union regieren sollte.

Meinungsforscher verorten die Sozialdemokraten weniger als vier Wochen vor der Bundestagswahl klar hinter der Union. Als einzige Machtoption ergibt sich für die SPD aus den derzeitigen Umfragen, erneut als Juniorpartner in eine große Koalition zu gehen.

Uekermann sagte dazu, die Partei lasse sich von Umfragewerten "nicht entmutigen". Es gebe noch sehr viele unentschlossene Wähler, "besonders viele junge Leute, die ihre Wahlentscheidung noch nicht getroffen haben".

Die Juso-Chefin begrüßte, dass Schulz in der heißen Wahlkampfphase einen Schwerpunkt auf das Thema Bildung legt. "Ich glaube, dort sieht man den Unterschied zwischen SPD und Union am besten: Mit uns wird in Bildung investiert, das bedeutet, es gibt gleiche Chancen und es wird gerechter in unserer Gesellschaft", sagte sie zu AFP.

Schulz hatte am Montag seine Pläne für eine nationale Bildungsallianz vorgestellt. Der Bund soll nach dem Willen der SPD in der kommenden Legislaturperiode zwölf Milliarden Euro zusätzlich in Kitas, Schulen, Hochschulen und berufliche Bildung investieren. Um das Engagement des Bundes zu ermöglichen, soll das bestehende Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern im Grundgesetz abgeschafft werden.