Nächster Rückschlag - Stögers Experimente scheitern

Milos Jojic scheiterte zweimal am Aluminium

Die Spieler des 1. FC Köln standen konsterniert im Mittelkreis, doch die Fans bauten ihre Helden trotz des ausgebliebenen Happy Ends wieder auf. Von den Rängen schallte die Kölner Hymne "En unserem Veedel", nachdem der Bundesligist sein erstes Europapokal-Heimspiel seit 25 Jahren trotz einer dominant und leidenschaftlich geführten zweiten Halbzeit gegen Roter Stern Belgrad mit 0:1 (0:1) verloren hatte.

"Die Fans haben uns super nach vorne gepusht, das war eine überragende Atmosphäre. Es ist einfach nur traurig", sagte Leonardo Bittencourt. Der Flügelspieler hatte nach der Pause wie Milos Jojic (58., 66.) nur den Pfosten getroffen (74.).

Stöger lobt "Klasse-Reaktion"

Am Ende steht die Mannschaft von Trainer Peter Stöger nach der Niederlage gegen den abgezockten serbischen Spitzenklub Roter Stern Belgrad im zweiten Spiel in der Europa-League-Gruppenphase weiter ohne zählbaren Erfolg da. (Der LIVETICKER zum Nachlesen)

Nach einer ganz schwachen ersten Halbzeit und dem verdienten 0:1-Rückstand durch Richmond Boakye (30.) zeigte der FC zwar eine starke Reaktion und erhöhte den Druck, der Ausgleich fiel aber trotz guter Chancen nicht mehr.

"Man kann über die erste Halbzeit reden, das war nicht gut", sagte Leonardo Bittencourt nach der Partie. "Aber in der zweiten Hälfte hatten sie keine Chance, das war ein Klassenunterschied." Stöger sprach von einer "Klasse-Reaktion in der zweiten Hälfte. Es tut mir für die Jungs richtig leid. Auf dem Level Bundesliga und Europa League ist es eben so, dass eine vergebene erste Halbzeit manchmal nicht reicht, um noch einen Punkt oder ein Spiel zu gewinnen."

Immerhin macht die zweite Halbzeit Mut für das wichtige und richtungweisende Ligaspiel gegen Vizemeister RB Leipzig am Sonntag (ab 17.30 Uhr im LIVETICKER). (SERVICE: Spielplan und Ergebnisse)

Defensiv-Strategie geht nicht auf

Dann wird Stöger vermutlich von Anfang vermehrt auf die Offensive setzen, denn sein Defensiv-Plan gegen die Serben ging überhaupt nicht auf. Die jungen Salih Özcan (19) im Mittelfeldzentrum und Jorge Mere (20) in der Abwehr wirkten ebenso überfordert wie der zuletzt nicht berücksichtigte Pawel Olkowski, der überraschend von Anfang an verteidigte.


Die Kölner kamen nicht gut ins Spiel, und so hätten die Gäste Stögers Defensiv-Plan schon in der Anfangsphase fast durchkreuzt. Guelor Kanga tauchte plötzlich frei vor FC-Keeper Timo Horn auf, brachte den Ball aber nicht aufs Tor (6.). Kurz darauf klärte Dominique Heintz in höchster Gefahr.

Nach dem schwachen Saisonstart in der Bundesliga wirkte der Gastgeber, anders als noch beim 1:3 beim FC Arsenal vor zwei Wochen, völlig verunsichert. Im Spiel nach vorne fehlten Tempo, Kreativität und Präzision - und wenn doch mal ein Ball in den Belgrader Strafraum segelte, hatte Torhüter Milan Borjan keine Mühe.

Kölner Fans reagieren mit Pfiffen

Auch die Serben glänzten vor 46.195 Zuschauern keineswegs, sie hatten dennoch keine Mühe, das Spiel zu kontrollieren. Schon nach knapp 25 Minuten gab es erste Pfiffe, weil Stögers Team weiter erschreckend harmlos spielte und hinten nicht entschlossen verteidigte.

Das rächte sich: Boakye traf ohne jede Gegenwehr zur Führung. Eine Reaktion der Kölner ließ auf sich warten, erst kurz vor der Pause vergab Milos Jojoic (44.) die erste nennenswerte Möglichkeit.

Stöger reagierte, er stellte das System um und wechselte offensiv. Und plötzlich war der FC wieder im Spiel, vor allem über die eingewechselten Yuya Osako und Leonardo Bittencourt wurde es gefährlich.

Jojic und Bittencourt scheitern am Aluminium

Bei Jojic' Pfostenschüssen fehlten nur Zentimeter zum Ausgleich. Auch Bittencourt traf nur das Aluminium. Der FC schnürte die Gäste in deren Hälfte ein, und die Serben wirkten beeindruckt. Sie kamen kaum noch strukturiert über die Mittellinie, stattdessen rollte Angriff um Angriff auf ihr Tor.

Im Stadion blieb es zwischen den als verfeindet geltenden Fanlagern ruhig. Die Kölner Polizei, die die Begegnung im Vorfeld zu einem Hochsicherheitsspiel erklärt hatte, war mit Tausenden Einsatzkräften vor Ort, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Dies gelang weitestgehend, auch beim Fanmarsch der serbischen Anhänger quer durch die Stadt bis zum Stadion in Köln-Müngersdorf blieb es grundsätzlich friedlich. (SERVICE: Die Tabellen)