Ubers härtester Konkurrent rüstet auf


Wenn Bhavish Aggarwal über seine Arbeit spricht, zieht manchmal eine Parallele zur Militärhistorie. Für den Gründer der indischen Taxi-App Ola ist der harte Wettbewerb mit dem amerikanischen Start-up Uber “wie der Vietnam-Krieg”. Aggarwal sieht sich dabei in der Rolle der Vietcongs. “Wir werden wie lokale Guerillas sein, die an jeder Ecke lauern werden”, drohte er den Amerikanern schon einmal.

Nun hat Aggarwal die Kriegskasse seines Unternehmens noch einmal kräftig aufgefüllt. Wie Ola mitteilte, hat das Unternehmen bei einer Finanzierungsrunde 1,1 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Zu den Investoren zählen der chinesische Internetkonzern Tencent und das japanische Telekommunikationsunternehmen Softbank. Das ist nicht alles: Das Unternehmen rechnet damit, dass es schon bald eine weitere Finanzierungsrunde mit einer weiteren Milliarde US-Dollar abschließen kann.

Mit der frischen Finanzspritze dürfe Ola dem weit größeren Uber auf dessen wichtigsten Auslandsmarkt noch gefährlicher werden. Nur in Amerika hat Uber noch mehr Kunden, und der indische Markt wächst rasant. Allein im vergangenen Jahr hat er sich laut der Unternehmensberatung Red Seer vervierfacht. Dennoch sind die Geschäfte für die Amerikaner auf dem Subkontinent alles andere als einfach. Denn der lokale Wettbewerber Ola hat sich als gefährlicher Gegner erwiesen.

Analysten sehen das lokale Start-up, das bereits drei Jahre vor dem Eintritt Ubers startete, als Marktführer. Öffentliche Umsatzzahlen melden die Unternehmen nicht. Doch Ola ist bereits in mehr als 100 indischen Städten vertreten, Uber bietet seinen Service nur in etwa 30 an. Klar ist nur, dass es ein erbarmungsloser Zweikampf ist: Schätzungen gehen davon aus, dass beide Unternehmen insgesamt rund 95 Prozent Marktanteil haben.


Aber muss erst noch beweisen, dass sich auch in exotischen aber wachstumsstarken Märkten durchsetzen kann: Wie es sich anfühlt, von einem lokalen Wettbewerber ausgestochen zu werden, musste Uber bereits in China erleben. Nachdem die Amerikaner mehr als eine Milliarde verbrannt hatten, verkauften sie vergangenes Jahr ihr China-Geschäft an den übermächtig gewordenen Konkurrenten Didi. Der heimische Wettbewerber verstand die Eigenheiten des chinesischen Marktes deutlich besser.

Trotzig kündigte Uber nach der Niederlage in Fernost an, sich von nun an stärker auf andere Schwellenländer zu konzentrieren – insbesondere auf den Subkontinent. Doch wenn die Amerikaner nicht aufpassen, könnte ihnen hier ähnliches wie in China widerfahren.


Profitabel auf Kosten der Fahrer

Der Guerilla-Vergleich von Ola-Mitgründer Aggarwal ist nicht ganz unbegründet: Bisher war das Start-up aus Bangalore den Amerikanern immer einen Schritt voraus. Erst nachdem Ola in Indien beliebte Bargeld-Zahlung eingeführt hatte, zog auch Uber nach. Im Gegensatz zu Uber kann man per Ola auch die dreirädriger Rikschas buchen. Wem langweilig wird, der kann sich in manchen Ola-Fahrzeugen Bollywood-Filme angucken. Ola-Managern lästern immer wieder, dass man bei Uber auf solche indischen Vorlieben nicht reagiere.

Die Finanzspritze will das 2010 gegründete Unternehmen nun nutzen, um in künstliche Intelligenz zu investieren und so dass Flottenmanagement zu verbessern. Außerdem experimentiert das Unternehmen mit Elektroautos. Viel Kapital wird aber sicherlich auch darauf verwendet werden, den harten Preiskrieg mit Uber weiterzuführen.


Von Gewinnen sind beide Unternehmen noch weit entfernt: Zuletzt versuchten die Anbieter vor allem auf Kosten der Fahrer profitabel zu werden. Der Unternehmensberatung Red Seer zufolge sind die Einkommen der Chauffeure im Vergleich zum Vorjahr um rund 30 Prozent eingebrochen. Sie verdienen durchschnittlich umgerechnet jetzt nur noch rund 260 Euro monatlich. Zuletzt streikten immer wieder Fahrer beider Unternehmen.

Viel weniger können Uber und Ola ihren Fahrern nicht mehr anbieten. Schon jetzt haben sich in mehreren Städten tausende Fahrer von Uber und Ola abgewendet. Sie gründen mit Hilfe von Gewerkschaften und Politikern einfach eigene App-basierte Angebote.