Überlebende des Amoklaufs werden von Verschwörungstheoretikern belästigt

Vor der Marjory Stoneman Douglas High School trauen Schüler vor einem provisorischen Altar. (Bild: AP Photo/Gerald Herbert)

Während Schüler nach dem Massaker in Florida für härtere Waffengesetze demonstrieren, bezeichnen Verschwörungstheoretiker die Trauernden als „Schauspieler“.

Der Amoklauf in der Marjory Stoneman Douglas High School reiht sich in eine lange Reihe von Gewalttaten an US-amerikanischen Schulen ein. Am 15. Februar 2018 hatte der ehemalige Schüler Nikolas Cruz mit einer halbautomatischen Schusswaffe siebzehn Menschen erschossen. Während sich zahlreiche Überlebende und junge Menschen unter den Slogans „Never Again“ (dt.: Nie mehr) und „March for Our Lives“ (Marsch für unsere Leben) zu Netzwerken zusammenschließen, um für härtere Waffengesetze in den USA zu demonstrieren, versucht die rechte Gegenseite, die Schüler zu diskreditieren.

Die Vorwürfe der Verschwörungstheoretiker und Waffen-Proponenten: Bei den trauernden Jugendlichen handle es sich um Schauspieler und bezahlte Statisten. Einige Schüler reagierten bereits schlagfertig auf diese Vorwürfe. In einem auf Twitter veröffentlichten Video spricht ein Schüler der Parkland-Schule, Diego Pfeiffer, wie es sich anfühlt, der Schauspielerei bezichtigt zu werden.


„Diejenigen, die uns Krisenschauspieler oder generell Schauspieler nennen: Ich würde es lieben, in eine Musik-Theater-Schule zu gehen und ein Schauspieler zu werden, ohne Witz. Aber mal ehrlich: Die Leute hier und jene Menschen, die nicht mehr unter uns sind – die schauspielern nicht, die sind tot. Ich werde mit meinen Freunden nie wieder sprechen können. Zu sagen, dass meine Trauer und mein Weinen nicht echt ist und dass ich ein Schauspieler bin … Ich wäre gern ein so guter Schauspieler, aber ich bin es nicht. Das hier ist echt. Jeder, der uns an den Pranger stellt: Wir sind Schüler, ich bin Schüler und werde nie wieder mit meinen Freunden sprechen. […] Wir erheben unsere Stimme. Wir versuchen einen Unterschied zu machen. Wir schauspielern nicht, das ist echt.“

Auch die Schülerin Emma González äußerte sich via Social Media zu den Fake-Vorwürfen.


„Es ist für uns tatsächlich lustig, letzte Nacht haben wir uns die Bilder gezeigt von den Schauspielern, die wir angeblich sind und wir konnten nicht mit dem Lachen aufhören – es war nett, so haben wir seit Jahren nicht mehr gelacht. Es zeigt nur, wie schwach das Argument der Gegenseite ist, sie attackieren die Botschafter, weil die Botschaft stichfest ist. Außerdem bin ich dankbar, dass es da draußen Menschen gibt, die Doppelgänger für mich finden, wollte schon immer eine Party feiern mit einem ganzen Raum voll Menschen, die aussehen wie ich.“

Dass die Schüler durchaus mit Humor auf die abstrusen Vorwürfe der Verschwörungstheoretiker reagieren, beweist auch ein Posting des Schülers Cameron Kasky. Auf einen Twitter-Beitrag des Moderators und Journalisten Bill O’Reilly mit den Worten: „Die große Frage ist: sollten die Medien die Meinungen von Teenagern verbreiten, die in einem emotionalen Zustand sind und die zum Teil großem Gruppenzwang unterstehen?“, kommentierte der Schüler schlichtweg „Ja, wahrscheinlich schon“ und legte in betont infantilem Jugendsprech nach, der sich ungefähr so übersetzen lässt: „Danke, dass du gefragt hast, Junge, du rockst, LOL, ich liebe es ein Kind zu sein, wir Kidz sind cool“.


„Diese Parkland-Schüler tun SO VIEL und sie haben immer noch Zeit, Bill O’Reilly auf Twitter zu besiegen.“

Weil die Schüler auf Twitter immer wieder beleidigt und angegriffen wurden, schritt der Kurznachrichtendienst nun selbst ein. Es wurden gezielt Maßnahmen ergriffen, um die Schüler zu schützen.


„Wir arbeiten aktiv an Berichten über gezielten Missbrauch und Belästigung von mehreren Überlebenden der tragischen Massenschiesserei in Parkland. Ein derartiges Verhalten steht gegen alles, wofür wir bei Twitter stehen, und wir ergreifen Maßnahmen gegen jegliche Inhalte, die unsere Richtlinien verletzten“

„Wir benutzen auch unsere Anti-Spam- und Anti-Missbrauchstools um bösartige Automatismen gegen jene Personen und die Themen, die sie vertreten, auszusieben. Wir haben auch eine Mehrzahl von Twitter-Accounts von Überlebenden verifiziert“, so der Kurznachrichtendienst weiter.