Überläufer warnt vor Vergeltung Nordkoreas

Thae Yong Ho berät jetzt den Westen beim Umgang mit der Diktatur. (Bild: AP Photo)

Kann der Fall des Eisernen Vorhangs in Osteuropa als Vorbild für den Konflikt mit Nordkorea dienen? Ja, findet der einstige Spitzendiplomat des Regimes, Thae Yong Ho. Der Überläufer rät sogar zu direkten Gesprächen der USA mit Diktator Kim Jong-un. Bei einem Angriff der USA würde Nordkorea Vergeltung üben.

Thae Yong Ho gehörte zu den ranghöchsten Diplomaten Nordkoreas, ehe er 2016 mit seiner Familie floh. Der ehemalige Vizebotschafter in London teilte nun mit dem US-Kongress seine Einschätzung des sich zuspitzenden Konflikts mit der Atommacht. Thae plädierte für direkte Gespräche mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump und dem Machthaber in Pjöngjang. „Es ist nötig, Kim Jong-un wenigstens einmal zu treffen, um seine Gedankengänge zu verstehen und ihn zu überzeugen, dass er (bei einem Militärschlag) zerstört werden würde“, sagte Thae laut der Zeitung „The Washington Times“ vor dem Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten.

Der Überläufer rechnet laut „Fox News“ zwar damit, dass der Westen nach einem Erstschlag einen Krieg gewinnen würde. Der Preis dafür wäre aber hoch, warnte er. Nordkorea habe Zehntausende von Artilleriegeschützen und Kurzstreckenraketen an der Grenze zum Süden positioniert. Die Offiziere seien angehalten, bei einem Angriff das Feuer zu eröffnen.

Donald Trump (l.) und Kim Jong-un liefern sich einen Machtkampf. (Bild: AP Photo)

Thae äußerte jedoch die Hoffnung, dass ein Umdenken in der nordkoreanischen Gesellschaft selbst einen Umsturz herbeiführen könnten. „In Nordkorea vollziehen sich große und unerwartete Veränderungen“, sagte Thae mit Blick auf die zunehmende Popularität von TV-Serien und Filmen aus Südkorea und dem Westen. Die werden auf DVDs ins Land geschmuggelt.

Diese Veränderungen machten es zunehmend möglich, einen Aufstand der Bürger in Nordkorea überhaupt in Erwägung zu ziehen, sagte Thae. Die westlichen Filme würden den Menschen klarmachen, in welchen Verhältnissen sie tatsächlich leben. Diese „sanfte Macht“ könnte nach Hoffnung des Überläufers zu einem ähnlichen Umbruch wie in der Sowjetunion und im Ostblock führen.